Grand-Bassam Islamisten-Terror unter Palmen

Grand-Bassam / PATRICK FORT, AFP 15.03.2016
Grand-Bassam steht wie kein anderer Ort der Elfenbeinküste für die französische Kolonialherrschaft. Dort schlugen nun Al-Kaida-Terroristen zu.

Blutüberströmte Leichen liegen im Sand, bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillieren, verängstigte Menschen suchen ihre Angehörigen: In Grand-Bassam, dem beliebten Badeort im Süden der Elfenbeinküste, ist die dschihadistische Gewalt angekommen. Schwer bewaffnete und vermummte Angreifer hatten am Sonntagnachmittag einen Strandabschnitt und drei angrenzende Hotels angegriffen und 18 Menschen getötet. Unter den Opfern ist auch die Leiterin des Goethe-Instituts in Abidjan, Henrike Grohs (51). Sechs Angreifer wurden getötet. Die Täter sollen zu Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) gehören.

"Sie sind gekommen, um unser Land zu zerstören", schreit ein fassungsloser Augenzeuge. In einer der vielen Strandbars drehen Ärzte die Leiche einer Frau im Badeanzug um. Ein Stück weiter liegt ein toter Mann. "Das ist einer der Terroristen", sagt Virginie Napo, eine Kellnerin in der Bar nebenan. "Wir dachten zuerst, dass Jugendliche Böller werfen", schildert die Strandverkäuferin Gisèle Kouao den Beginn des Angriffs. "Dann haben wir begriffen, dass es Dschihadisten waren. Sie haben auf alle geschossen."

Während es in den Nachbarländern Mali und Burkina Faso bereits derartige Angriffe gab, zuletzt im Januar auf ein Hotel in Ouagadougou, blieb die Elfenbeinküste bisher verschont. Jetzt wurde das Land an einem Ort angegriffen, der symbolisch für die französische Kolonialherrschaft steht wie kaum ein anderer. "Grand-Bassam anzugreifen ist, als würde man den Eiffelturm in Paris angreifen", sagt der Afrika-Experte Antoine Glazer. Die Franzosen ernannten Grand-Bassam 1893 zur Hauptstadt der Kolonie. Bis heute sind in der Gegend französische Soldaten stationiert. Frankreich beteiligt sich maßgeblich am Anti-Terror-Kampf in Westafrika. Jedes Wochenende suchen viele Franzosen und andere westliche Staatsbürger hier Erholung vom Trubel der rund 40 Kilometer entfernt liegenden Metropole Abidjan.

Der Schrecken über die Bluttat in ihrer Stadt steht den Bewohnern auch am nächsten Morgen noch ins Gesicht geschrieben. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", sagt die Eisverkäuferin Salata. "Ich zittere noch immer, wenn ich an das denke, was ich gestern gesehen habe."

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