Teheran Iran wählt gemäßigten Geistlichen Hassan Ruhani zum Präsidenten

Hassan Ruhani bei der Stimmabgabe. Nun wird der Kandidat des Reformflügels Präsident des Iran.
Hassan Ruhani bei der Stimmabgabe. Nun wird der Kandidat des Reformflügels Präsident des Iran. © Foto: dpa
Teheran / MARTIN GEHLEN 17.06.2013
Der Iran hat einen neuen Präsidenten: Hassan Ruhani. Der als gemäßigt geltende Kleriker siegte überraschend schon im ersten Wahlgang. Die Welt kennt den 64-Jährigen schon als Atom-Unterhändler.

Die Niederlage der Hardliner feierten am Freitag hunderttausende Iraner mit Tänzen und Hupkonzerten. Hassan Ruhani ist neuer Präsident des Iran. Er selbst nannte den Erfolg einen Sieg der Mäßigung und Vernunft über Extremismus und schlechte Manieren. Gleichzeitig appellierte er an die internationale Gemeinschaft, das iranische Volk mit Respekt zu behandeln.

Der Wahlsieg war überraschend deutlich ausgefallen. Mit 50,7 Prozent konnte sich Ruhani gegen fünf erzkonservative Konkurrenten durchsetzen und auf Anhieb die absolute Mehrheit erringen. Auf den Geistlichen, der im August die Nachfolge von Mahmud Ahmadinedschad antritt, entfielen schon im ersten Wahlgang rund 18,6 der 36,7 Millionen abgegebenen Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 72,7 Prozent. Ein in dieser Deutlichkeit nicht für möglich gehaltener Erfolg. Doch wer ist dieser Hassan Ruhani?

Geboren wurde er 1948 in dem Örtchen Sorkheh östlich von Teheran. Schon als junger Theologiestudent machte er sich einen Namen als politischer Gegner von Schah Reza Pahlevi. Nach seinem Jura-Examen 1972 promovierte er in Glasgow, während der Islamischen Revolution von Ajatollah Khomeini, den er in dessen Exil in Paris kennengelernt hatte, kehrte Ruhani in seine Heimat zurück. Während des IrakKrieges von 1980 bis 1988 diente er bei der Luftabwehr. Von 1980 bis 2000 saß er im iranischen Parlament, unter anderen als stellvertretender Sprecher. Unter Präsident Rafsandschani war Ruhani von 1989 bis 1997 Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates. In diese Zeit fielen viele spektakuläre Morde an Regimegegnern im Ausland, unter anderem das Mykonos-Attentat in Berlin. Nachfolger Mohammed Khatami behielt Ruhani als Chef des Nationalen Sicherheitsrats, ernannte ihn 2003 außerdem zum Chefunterhändler mit der internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), nachdem iranische Exilkreise das geheime Atomprogramm Teherans öffentlich gemacht hatten. Unter Ruhanis Regie erklärte sich der Iran bereit, die geheime Urananreicherung zu stoppen.

Vom aggressivem Atomkurs und der großmäuligen Außenpolitik Ahmadinedschads distanzierte sich Ruhani bereits kurz nach dessen Amtsantritt 2005 und verließ die internationale Bühne. "Wir wollen konstruktive Zusammenarbeit mit der übrigen Welt. Wir werden nicht zulassen, dass alles weitergeht, wie in den letzten acht Jahren", versprach er im Wahlkampf. Irans Freunde in der Welt könne man inzwischen an einer Hand abzählen, klagte er, und das seien Staaten, "die kein internationales Gewicht und Prestige haben". Nie in der Geschichte seien die Beziehungen zwischen Iran und Europa so frostig gewesen. Er wolle eine andere Politik, eine Politik der Aussöhnung und des Friedens, versprach er.

Westliche Staaten reagierten auf die Wahl prompt mit vorsichtigem Optimismus und der Hoffnung auf konstruktive Atomgespräche. Die USA erklärten, man sei zu direkten Gesprächen bereit, um eine Lösung zu finden, die den internationalen Sorgen über Irans Atomprogramm Rechnung tragen. Moskau äußerte die Erwartung, künftig enger mit Teheran zusammenarbeiten zu können. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle forderten Ruhani auf, eine konstruktive Rolle in regionalen und internationalen Fragen zu spielen. Einzig Israel äußerte sich skeptisch. Die internationale Gemeinschaft dürfe sich keinem Wunschdenken hingeben und den Druck auf den Iran, sein Atomprogramm zu stoppen, verringern.