Kommentar Irak braucht mehr als militärische Hilfe

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Berlin / Stefan Kegel 13.02.2018

Während der Irak bei der Weltgemeinschaft Geld für den Wiederaufbau einsammelt und Großkonzerne sich um die Aufträge reißen, stellt sich für die Beteiligten am zu Ende gehenden Anti-IS-Einsatz die Frage: Wie weiter? Für die geschäftsführende deutsche Regierung hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bereits eine Antwort gegeben: Sie will den Bundeswehreinsatz ausweiten. Das steht so ähnlich auch im Koalitionsvertrag: „Capacity Building“, der Aufbau der militärischen Leistungsfähigkeit, soll zur Stabilisierung des Iraks beitragen. Gerade in zerfallenden Staaten wie dem Irak ist das allerdings eine Herkulesaufgabe.

Die Ministerin folgt dem neuen deutschen Kurs: Einfluss im Ausland zu gewinnen und vor den Toren Europas für stabile Verhältnisse zu sorgen. Ob der Nutzen den Aufwand rechtfertigt, ist aber unklar. Die prekäre Lage in Afghanistan nach Jahren des Einsatzes spricht gegen eine Mission. Im Irak kommt hinzu, dass Berlin im Anti-IS-Kampf den nach Abspaltung strebenden kurdischen Norden unterstützte – und einen Spagat zwischen diesem und der Regierung in Bagdad schaffen müsste. Gar als Vermittler sieht von der Leyen die Bundeswehr.

Ob die Armee die richtige Institution für solch eine heikle Aufgabe ist, kann man getrost bezweifeln. Die Lösung für den geschundenen Irak liegt nämlich nicht in erster Linie im Militär. Sondern darin, die Hilfsmilliarden der Weltgemeinschaft klug zu verteilen. Wenn der grundlegende Konflikt zwischen der sunnitischen Minderheit, die sich unterdrückt fühlt, und der schiitischen Mehrheit im Land nicht befriedet wird, wird der IS schneller wieder erstarken, als die Bundeswehr Soldaten ausbilden kann.

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