Interview Interview: „Konkurrenz zum Flugzeug“

Lukas Iffländer.
Lukas Iffländer. © Foto: ProBahn
Berlin / Dieter Keller 09.12.2017

Lukas Iffländer, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, hält den Ausbau der Bahnlinie von Berlin nach Nürnberg für einen Gewinn.

 Der Ausbau hat 26 Jahre gedauert und zehn Milliarden Euro gekostet. Hat sich das gelohnt?

Lukas Iffländer: Für die Fernreisenden im Großen und Ganzen schon. Gerade wer von München oder Nürnberg Richtung Berlin will, für den wächst das Land zusammen. Die Bahn kann auf der Strecke endlich dem Flugzeug Konkurrenz machen. Bei vier statt sechs Stunden Fahrzeit dürften mehr auf die Schiene wechseln. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Fahrgäste, sondern auch für das Klima.

Geben Bund und Bahn zu viel für den Neubau und zu wenig für den Ausbau des Schienennetzes aus?

Definitiv. Wir haben derzeit einen großen Rückstand bei der Instandhaltung. Deswegen gibt es demnächst auf großen Stecken Vollsperrungen. Die Bahn dürfte durch Umleitungen und Ersatzverkehr vermutlich wieder Passagiere an das Auto und das Flugzeug verlieren. Außerdem hinkt der Ausbau in der Fläche hinterher. Regionen wie Regensburg oder Jena sind an die Knoten der Neubaustrecke nicht ordentlich angeschlossen, weil die Strecken unzureichend ausgebaut sind.

Die Vernetzung der neuen Strecke mit dem Nahverkehr klappt also noch nicht?

Genau. Beispielsweise haben wir in Nürnberg aus Richtung Stuttgart oder Regensburg eine halbe Stunde Wartezeit. Auch in Erfurt gibt es keine ordentlichen Anschlüsse, weil der eigentlich geplante Expresszubringer wegen der fehlenden Infrastruktur nicht fahren kann.

Die Bahn erhöht auf der Neubaustrecke kräftig die Preise. Ist das gerechtfertigt?

Angesichts des Zeitgewinns ist es angemessen. Bei den sonstigen Preisen hält sich die Preiserhöhung im Rahmen, und es gibt weiter recht viele Sparpreistickets.

Die Bahn ändert bei einem Drittel der Fernverbindungen die Strecke und die Fahrzeit. Ist das im Sinn der Fahrgäste?

Ja. Es wäre schlecht, wenn die Fahrzeiten nicht zur neuen Strecke passen würden und die Passagiere etwa in Frankfurt oder Nürnberg 20 Minuten länger auf Anschluss warten müssten. Es gibt allerdings Regionen, die nicht optimal angeschlossen sind. Beispielsweise fuhr der ICE von Frankfurt nach Berlin bisher stündlich über Göttingen. Jetzt wird er über Erfurt geleitet, und in Göttingen hält nur noch alle zwei Stunden ein ICE.

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