Herr Spitzer, kann man das tatsächlich, sich glücklich kaufen?

MANFRED SPITZER: Kurzfristig ja. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Kauf Hirnregionen aktiviert, die für Glückshormone verantwortlich sind. Diese Aktivierung dauert allerdings nur ganze zehn Sekunden. Das Problem ist daher: Schon das Bezahlen dauert länger.

Also Kick statt Glück?

SPITZER: Genau. Weil man das gute Gefühl wieder haben möchte, geht man wieder einkaufen. Die Freude hält aber selten lange, der Schuldenberg jedoch wird größer und größer.

Wann wird aus Kauflust Sucht?

SPITZER: Sucht beginnt da, wo man sich selbst oder der Gemeinschaft schadet. Also etwa, wenn ich Geld ausgebe, das ich eigentlich dringend für etwas anderes bräuchte.

Was dann?

SPITZER: Jeder hat schon mal einen sinnlosen Kauf getätigt. Das nächste Mal ist man eben wieder kritischer. Wenn das Kaufen allerdings zwanghaft wird, man also sehr oft mehr kauft, als man möchte, dann kann eine Therapie sinnvoll sein.

Warum freuen wir uns über Schnäppchen ganz besonders?

SPITZER: Wir waren bis vor wenigen zehntausend Jahren Jäger und Sammler. Ein Schnäppchen gibt uns das Gefühl cleverer zu sein als andere, die vermeintlich mehr bezahlt haben, und wir glauben, vom Schicksal begünstigt zu sein. Da greift man zu, ohne das Produkt tatsächlich zu benötigen.

Und wie shoppt man richtig?

SPITZER: Wer sein Geld nicht für Gegenstände ausgibt, die verstauben und rosten, sondern für Erlebnisse, der fährt besser. Zumal etwa eine Reise in der Erinnerung immer noch schöner wird. Länger glücklich ist auch, wer nicht für sich, sondern für andere kauft.Zur Person Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer (54) ist Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Uniklinik Ulm.