CSU Interview mit Seehofer-Nachfolger Brandl

Der Ingolstädter CSU-Abgeordnete Reinhard Brandl.
Der Ingolstädter CSU-Abgeordnete Reinhard Brandl. © Foto: Jörg Carstensen/dpa
Ingolstadt/Berlin / Claus Liesegang 12.10.2018
Als Ingolstädter CSU-Bundestagsabgeordneter ist Reinhard Brandl der Nachfolger von Seehofer. Dieser sei kein Handicap.

Als Ingolstädter CSU-Bundestagsabgeordneter  ist Reinhard Brandl der Nachfolger von Horst Seehofer. Den machen viele mit für verantwortlich für den Absturz der CSU in den jüngsten Umfragen. Brandl sieht Seehofer indes nicht als Handicap. Mit ihm sprach Claus Liesegang.

Auf der Abschlussfoto des Wahlkampfauftritts in Ingolstadt Anfang der Woche strahlen Horst Seehofer und Markus Söder um die Wette, als hätte es zwischen ihnen nie Zwist gegeben, Sie selbst blicken genervt drein. Von dieser Inszenierung?

Reinhard Brandl: Die letzten Wochen im Wahlkampf waren anstrengend. Das Foto spiegelt dennoch nicht meine Stimmung an diesem Tag wider. Ich hoffe, dass von den Schlussveranstaltungen ein Signal an die Wähler ausging, in Bayern für stabile politische Verhältnisse zu sorgen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Stimmung in der Bevölkerung ist besser, als es die Umfragen zeigen. Die Wahrheit liegt dann tatsächlich in der Urne.

Haben Sie Horst Seehofer zuletzt als Ballast bei Ihrer Arbeit in dessen Heimatstadt empfunden?

Gar nicht. Horst Seehofer hat viel für Bayern und die Region getan. Das vergessen ihm die Leute nicht. Im Moment bewundern ihn die einen dafür, dass er in Berlin seine Linie durchsetzt, andere lehnen ihn dafür ab. Er ist ein Ausnahmepolitiker, wie es ihn selten gibt.

Ist das Bewunderung oder die Beschreibung eines Sturkopfs?

Eher Bewunderung. Er ist seit über 40 Jahren Politiker, davon meist in Spitzenpositionen.

...und er hat noch immer nicht genug...

Unabhängig vom tagespolitischen Wellenschlag hat Horst Seehofer in der Region eine feste Basis.

Blenden die Ingolstädter tatsächlich aus, dass er mit Söder im Dauerclinch liegt, ständig öffentlich mit der Kanzlerin streitet, schon zurücktreten wollte, dann wieder nicht?

Horst Seehofer streitet nicht mit Markus Söder. Es mag da persönliche Differenzen geben, aber inhaltlich ziehen beide an einem Strang.

Aber Söder hat Seehofer schon öffentlich für die schlechten Umfragewerte verantwortlich gemacht.

Das ist aber kein inhaltlicher Streit, auch wenn ich nichts davon halte, schon vor der Wahl Sündenböcke zu suchen.

Stünde die CSU ohne Horst Seehofer besser da?

Horst Seehofer ist unser Parteivorsitzender, und er wird es nach der Wahl bleiben.

Sie erwarten auch bei einer Schlappe keine personellen Veränderungen, auch nicht beim Ministerpräsidenten?

Ich erwarte ein besseres Ergebnis als in den Umfragen. Markus Söder wird Ministerpräsident bleiben und gegebenenfalls Koalitionsverhandlungen führen.

Mit wem?

Das entscheidet der Wähler.

Die Menschen favorisieren Schwarz-Grün, was inhaltlich aber schwer vorstellbar ist. Was halten Sie für denkbar?

Mit den Grünen sind wir bei vielen Themen meilenweit auseinander, unter anderem bei der Inneren Sicherheit. Die größten Gemeinsamkeiten sehe ich mit den Freien Wählern und der FDP. Welche Koalition aber überhaupt geht, hängt davon ab ob FDP und Linke über die fünf Prozent kommen.

Die AfD ist für Sie tabu?

Absolut. Eine Partei, die Seite an Seite mit Rechtsextremen marschiert, kann für uns kein Partner in einer Regierung sein.

Hat sich die CSU damit beschäftigt, dass sie Bayern nicht mehr regieren könnte, sollte es eine Koalition aus SPD, Grünen, Freien Wählern und Linken geben?

Nein, damit beschäftigt sich nur die Presse. Ich halte es für keine besonders attraktive Aussicht, von einem so heterogenen Bündnis regiert zu werden.

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