Im Januar wurde sie stellvertretende Fraktionschefin – zuständig unter anderem für Europa. Ellen Hasenkamp sprach mit der 43-Jährigen über die Zukunft der EU und den Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron heute in Berlin.

Frau Leikert, welches Signal wird Macron aus Berlin mitnehmen?

 Die deutsch-französische Freundschaft ist zentral. Zugleich ist es wichtig, die übrigen EU-Staaten einzubinden. Die Dynamik der künftigen Entwicklung wird davon abhängen, was Deutsche und Franzosen gemeinsam verabreden.

Hat Deutschland eine Verpflichtung, Frankreich die Hand zu weiteren Reformen zu reichen?

 Das geschieht doch längst. Wir sind – nehmen Sie nur die Verteidigungspolitik – in permanenter Zusammenarbeit. Manche fordern ständig die große Vision ein. Wir leben aber die große Vision längst.

Geht Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt mit Rückendeckung der gesamten Fraktion in die anstehenden Verhandlungen über EU-Reformen?

Wir alle unterstützen ihre pro-europäische Haltung. Wir in der Fraktion finden es wichtig, dass wir die Regeln einhalten, die wir uns selbst in der EU gesetzt haben. Das gilt für den Fiskalpakt, das gilt für eine künftige Bankenunion. Wir dürfen nicht in die nächste Finanz- oder Staatsschuldenkrise schlittern. Dieses Anliegen sollten unsere europäischen Partner ernst nehmen.

Sie fordern eine Neujustierung der Ausgaben mit Blick auf das neue EU-Budget. Wo muss gespart werden?

 Wir geben 39 Prozent des Haushalts für Agrar aus und nur zwei Prozent für den Bereich Migration. Hier müssen wir umschichten. Es muss aber auch neues Geld dazukommen – und Deutschland ist bereit dazu. Denn es sind neue Aufgaben zu finanzieren: Vom Grenzschutz bis zur gemeinsamen Verteidigungspolitik. Wir wollen ein Europa, das uns schützt.

Gerade im Bereich Außen und Verteidigung hat sich die EU zuletzt im Syrien-Konflikt nicht besonders handlungsfähig gezeigt.

Europa muss da nun eine gemeinsame politische Strategie entwickeln. Das ist einer großen Gemeinschaft nicht einfach.