Hintergrund Internetbranche im Wandel: Verlage wehren sich

Berlin / Igor Steinle 31.07.2018

Nicht nur Plattenfirmen verdienen immer weniger Geld, weil ihre Inhalte im Netz kostenlos verbreitet werden. Auch Zeitungsverlage leiden darunter, dass Internetkonzerne mit ihren Inhalten Geschäfte machen. Deswegen sollen Portale wie Google News künftig nicht mehr ohne weiteres Überschriften oder kurze Ausschnitte von Pressetexten in ihren Ergebnissen anzeigen dürfen. Sie sollen stattdessen die Verlage um Erlaubnis bitten und dafür zahlen. Auch ein Presse-Leistungsschutzrecht (LSR), wie es in Deutschland bereits gilt, soll nach Willen der EU-Kommission deswegen bald europaweit Teil einer Urheberrechtsreform sein. „Wir müssen die Verlage stärken und brauchen das LSR, um Qualitäts-Journalismus zu erhalten“, begründet der CDU-Europapolitiker Axel Voss die Reform.

Kritiker glauben jedoch, dass sie den Verlagen eher Nachteile bringen wird. Diese seien darauf angewiesen, von Suchmaschinen gelistet zu werden und hätten daher eine schwache Verhandlungsposition gegenüber Google und Co. Das zeige die Erfahrung in Deutschland. Dort gilt das nationale LSR seit dem Jahr 2013, führte jedoch nicht zu nennenswerten Geldzahlungen an die Verlage. Aus Sorge, nicht mehr im Internet sichtbar zu sein, schlossen die Verlage Einzelverträge mit Google ab.

Europäische Lösung gefragt

Um das zu verhindern, dass nämlich einzelne Verlage vor der Marktmacht Googles einknicken, brauche man eine europäische Regelung, sagen die Befürworter. „Google wird nicht ganz Europa auslisten, weil der Markt dafür zu groß ist“, sagt die EU-Abgeordnete Helga Trüpel (Grüne). Eine Studie zeige zudem, dass mehr als die Hälfte aller Deutschen nicht auf die Artikel-Links klicke. Dies führe dazu, dass Werbung direkt auf Google geschaltet werde und immer weniger auf den Seiten der Medien.

Internetexperten sehen in dieser Entwicklung einen Strukturwandel, den kein Gesetz aufhalten kann. Die Branche müsse neue Finanzierungsmodelle finden. Grünen-Netzexpertin Tabea Rößner fordert eine gesellschaftliche Debatte darüber: „Gut recherchierter Journalismus muss in der digitalen genau wie in der analogen Welt angemessen vergütet werden.“

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