Kommentar Mathias Puddig zur Ablehnung reiner Männerrunden Integration: Ein guter Anfang

Mathias Puddig
Mathias Puddig © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin / Mathias Puddig 02.11.2018

In diesem Punkt ist Annette Widmann-Mauz konsequent: Schon länger hat die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung bei ihren Terminen immer mal wieder erwähnt, dass gemischte Teams bessere Arbeit leisten und dass sich Diversität – so technisch der Begriff auch ist – folglich doppelt lohnt: Sie bringt Arbeitsgruppen voran, und sie verringert Diskriminierungen. Ökonomie und Moral müssen einander nicht ausschließen. Im Gegenteil: Vielfalt macht erfolgreich. In der Theorie ist das eigentlich klar.

Allerdings ist diese Erkenntnis in der Praxis noch nicht überall angekommen. Immer noch gibt es Gesprächsrunden mit Verbandsvertretern, Politikern und auch Journalisten, an denen keine Frau teilnimmt. Und gelingt es Frauen doch einmal, die gläserne Decke zu durchstoßen, werden sie kritisch beäugt. Angela Merkel sagte einmal, dass Gerhard Schröder es „nun gar nicht haben kann“, wenn ihm „auch noch eine Frau seine Spiele durchkreuzt“. Das klingt wie aus einer anderen Zeit, ist es aber nicht. Auch Politikerinnen, die  2018 höchste Posten besetzen, beklagen, dass sie es als Frauen schwerer haben. Sie wollen sich nur nicht zitieren lassen, damit sie nicht als Zicken gelten.

Auf diese Weise werden die Erfahrungen der halben Bevölkerung mal eben so ausgeklammert. Darüber kann man sich natürlich ärgern. Oder aber man schaut, wie man es ändern kann. Genau das macht Widmann-Mauz, wenn sie an solchen rein männlichen Runden nicht mehr teilnimmt. Für den Anfang ist das gut. Nur darf damit nicht Schluss sein: Denn Frauen sind nicht die einzige gesellschaftliche Gruppe, der öfter mal zugehört werden sollte, wenn es um ihre Belange geht.

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