Washington Inszenierung eines Krieges

Saudische und amerikanische Soldaten 1991 in der saudi-arabischen Wüste. Im zweiten Golfkrieg kämpften sie gemeinsam gegen irakische Streitkräfte.
Saudische und amerikanische Soldaten 1991 in der saudi-arabischen Wüste. Im zweiten Golfkrieg kämpften sie gemeinsam gegen irakische Streitkräfte. © Foto: dpa
DPA 16.01.2016
Der zweite Golfkrieg 1991 hat den damals bereits geschwächten Irak weiter destabilisiert. Die USA inszenierten die "Operation Wüstensturm" zur Befreiung des ölreichen Emirats Kuwait als Medienspektakel.

Saddam Hussein hatte die "Mutter aller Schlachten" ausgerufen. Es wurde der Anfang seines Endes. Für den Rest der Welt wurde die militärische Befreiung Kuwaits, die am 16. Januar 1991 begann, zum ersten großen Krieg für eine ganze Generation - medial mit einer solchen Wucht in die Wohnzimmer vermittelt, dass die Spuren bis heute nicht gewichen sind.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Januar 1991, vor 25 Jahren, griff eine internationale Militärallianz von 34 Staaten unter Führung der USA den Irak an - der zweite Golfkrieg sollte rund sechs Wochen dauern. Zuvor waren langwierige diplomatische Anstrengungen gescheitert. Die Kriegsrhetorik von damals rund um "chirurgische Angriffe" mit Präzisionsbomben und Lenkraketen hallt noch heute in den Ohren. Die Live-Fernsehbilder nächtlicher Bombardements und brennender Ölfelder sind nicht vergessen.

Saddam Hussein regierte damals einen vom langen Krieg gegen den Iran geschwächten und hoch verschuldeten Irak. Kuwait warf er vor, irakische Ölquellen an der Grenze anzubohren und den Ölpreis zu drücken. Obwohl das Emirat nie zum Irak gehörte, beanspruchte Bagdad die ehemals britische Kolonie und marschierte im Nachbarland ein. Damit nahm der Irak nicht nur das Öl an sich, sondern de facto auch milliardenschwere Beteiligungen des kuwaitischen Staates an westlichen Unternehmen. Saddam ließ alle Ultimaten des Westens zum Rückzug verstreichen und hielt sich nicht an UN-Resolutionen.

US-Präsident George Bush erklärte dem Irak daraufhin den Krieg. "Die Welt kann nicht länger warten", sagte er. Auf US-Seite wurden die Gesichter von Verteidigungsminister Dick Cheney, Generalstabschef Colin Powell und dem Kommandeur der "Operation Wüstensturm", Norman Schwarzkopf, weltberühmt.

Der Krieg gegen Saddam hatte den CNN-Faktor. Der US-Sender wurde durch seine Kriegsberichterstattung weltbekannt - auch wenn sie in großen Teilen vom Pentagon gelenkt und der Militärzensur unterworfen war. Korrespondent Peter Arnett, der sich auf einem Hotel in Bagdad vor einschlagenden Raketen geradezu wegzuducken schien, wurde zum Markenzeichen einer neuen, nicht unumstrittenen Kriegsinszenierung. Von den USA geführt, gehörten dem Anti-Saddam-Bündnis 34 Nationen an, darunter Länder wie Saudi-Arabien oder Syrien, unter Baschar al-Assads Vater Hafiz. Nach den USA stellten Großbritannien und Saudi-Arabien die größten Truppenteile, insgesamt wurden fast eine Million Soldaten eingesetzt. Deutschland hatte sich militärisch nicht beteiligt. In vielen westlichen Ländern demonstrierten Hunderttausende gegen den ihrer Ansicht nach unnötigen und von wirtschaftlichen Interessen geleiteten Krieg. "Kein Blut für Öl" war einer der Slogans auf Schweigemärschen.

Die Weisheit "Jeder Krieg beginnt mit einer Lüge" war wohl auch am Golf richtig. In Kuwait wurde das Gerücht gestreut, irakische Soldaten hätten frühgeborene Babys aus Brutkästen gerissen und sie so ermordet. Eine junge Krankenschwester berichtete darüber unter Tränen vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Es stellte sich heraus, dass es sich um die Tochter des kuwaitischen Botschafters handelte.

Nach ihrem Abzug am 28. Februar 1991 hinterließen die Alliierten einen zerstörten Irak - das Land erholte sich bis heute nicht. 2003 marschierte eine US-geführte Koalition erneut ein, setzte Saddam Hussein ab und zerschlug das politische System. Auch in den USA und in Großbritannien wird das heute als schwerer Fehler gesehen. Im Nachkriegs chaos entwickelten sich religiös motivierte Turbulenzen, die Terrormiliz "Islamischer Staat" fand fruchtbaren Boden. Heute bombardieren die USA wieder Ziele im Irak.