Sicherheit Innovations-Agentur für Cyber-Aufrüstung

Berlin / Ellen Hasenkamp 30.08.2018

Bei der Deutschen Bahn fielen Anzeigetafeln aus, Fahrkartenautomaten wurden lahmgelegt, in Schweden gingen mehrere Dutzend Rechner einer Gemeindeverwaltung in die Knie, und in Frankreich stoppte der Autobauer Renault vorsichtshalber die Produktion in einigen Fabriken. Vor gut einem Jahr sorgte der Cyberangriff durch das Programm WannaCry weltweit für erheblichen Schaden.

Attacken aus dem Cyberraum sind inzwischen Alltag. Sie zielen auf Unternehmen, auf Verbraucher, aber auch auf Staaten. 4000 bis 5000 Angriffsversuche auf die deutschen Netze gibt es jeden Tag. „Ständig werden neue Varianten von Schadprogrammen in Umlauf gebracht und Angriffe auf unsere Systeme sowie die Netzinfrastruktur registriert“, sagt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Er spricht von einer „asymmetrischen Bedrohungslage, die sich immer weiter zuspitzt“. Die Bundesregierung will sich nun besser wappnen gegen die Angreifer aus dem Netz. Eine 13 500 Mann starke Cyber-Truppe der Bundeswehr gibt es bereits,  ein Bundesamt für IT-Sicherheit auch, und in der Münchner Zentralstelle „Zitis“ wird für die deutschen Sicherheitsbehörden geforscht und entwickelt.

Alle Details sind offen

All das ist nach Erkenntnis der Bundesregierung gut und richtig, aber zu langsam und zu weit hinten in der Abwehrkette. „Wir müssen schneller sein als die Angreifer und Täter“, lautet die Parole von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Gemeinsam wollen Innen- und Verteidigungsministerium nun den Cyber-Abwehrkampf mit gezielter Forschungsförderung unterstützen.

Das Kabinett billigte am Mittwoch die Pläne der beiden Unionsminister für eine Agentur für Innovation in der Cybersicherheit. Konkrete Fragen wie Leitung, Ausstattung oder Standort sind noch nicht abschließend geklärt, aber nach Angaben aus den Ministerien sollen rund 100 Mitarbeiter künftig nach den erfolgversprechendsten Projekten in Wirtschaft und Wissenschaft Ausschau halten. Rund 200 Millionen Euro sollen sie in den kommenden fünf Jahren dafür zur Verfügung haben. Zum Vergleich: Die Forschungsagentur Darpa des US-Verteidigungsministeriums verfügt über mehr als drei Milliarden Dollar – pro Jahr. Sie hat dafür auch das Internet miterfunden.

Es geht also um Sprunginnovation – radikale technische oder marktverändernde Neuerungen. Und bei dem Stichwort darf die Forschungsministerin nicht fehlen. Tatsächlich haben Anja Karliczek und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) gleich auch noch eine Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen ins Leben gerufen. Diese soll sich aber ausschließlich mit zivilen Anwendungen beschäftigen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel