Inflation, Armut, Jobabbau

BE/DPA 12.02.2016
Südamerika, Afrika, Europa: Überall sind die Folgen des Ölpreisabsturzes zu spüren - oft mit dramatischen Folgen.

Venezuela: Das südamerikanische Land besitzt die größten Ölreserven weltweit, der Großteil des Staatshaushalts lebt vom Ölverkauf. Jahrelang hat die sozialistische Regierung die Gewinne aus dem Öl abgeschöpft und in Sozialprojekte gesteckt. Andere Wirtschaftszweige wurden vernachlässigt. Der Absturz des Ölpreises bedeutet für Venezuela eine Katastrophe: Das Land kann den Import von Lebensmitteln und Medikamenten nicht mehr bezahlen, die Regale sind leer. 2015 mussten die Verbraucher mit der weltweit höchsten Inflationsrate von 275 Prozent leben. Dieser Wert könnte sich laut Experten 2016 nahezu verdreifachen. Die Politik sieht all dem hilflos zu.

Nigeria: Das Land hängt außenwirtschaftlich zu 90 Prozent vom Ölexport ab, es ist der wichtigste Rohölförderer in Afrika. Doch auch in Jahren steigender Rohölpreise profitierte die Bevölkerung kaum davon - im Gegensatz zur politischen Klasse. Der Staat ist hoch verschuldet, mehr als die Hälfte der Nigerianer lebt in bitterer Armut. Die Aussichten sind düster: Denn der sinkende Ölpreis stellt auch eine ernsthafte Bedrohung für die junge Demokratie dar.

Norwegen: Durch seine Ölförderung ist Norwegen zu einem der reichsten Länder der Welt geworden. Etwa 240 000 Arbeitsplätze hängen direkt an der Ölindustrie - im Vergleich dazu sind es in Deutschland in der gesamten Branche der Energierohstoff-Produktion (Braunkohle, Steinkohle, Erdöl und -gas) nur 10 000. Dem skandinavischen Land könnte bis 2020 ein Verlust von 100 000 Arbeitsplätzen drohen. Dafür boomt jetzt ein anderer "Rohstoff" - der Lachs. Die Exportpreise sind hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Etwa die Hälfte des weltweit konsumierten Lachses kommt inzwischen aus Norwegen.