Bergen In Norwegen regnet es Würmer

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Bergen / ANDRÉ ANWAR 22.04.2015
Biologen und Meteorologen in Norwegen zerbrechen sich die Köpfe: In dem Land regnet es offenbar Regenwürmer. Aber warum?

 Für gewöhnlich leben die Tiere im Erdboden, wo sie ihre unterirdischen Wurmröhren gern verlassen, wenn es zu starken Regenfällen kommt. Das erklärt aber nicht, warum sie in Norwegen vom Himmel fallen.

Karstein Erstad, Biologielehrer an der Lehrerhochschule von Bergen, war der Erste, der bei einer Wanderung durch ein Hochgebirge auf das sonderbare Phänomen aufmerksam wurde und die staatliche Rundfunkanstalt NRK informierte. "Ich habe Tausende von Regenwürmern auf der Oberfläche gesehen. Sie lagen auf dem kalten Schnee. Als ich einige in die Hand nahm, stellte ich erstaunt fest, dass sie noch lebten", erinnert er sich im Gespräch mit dieser Zeitung. Zunächst hatte er geglaubt, die Tiere hätten sich aus dem Erdreich und der Schneedecke an die Oberfläche gewunden. "Aber die Schneedecke war an vielen Stellen, wo Würmer lagen, einen halben bis einen Meter dick. Da wären die Würmer schon längst erfroren", glaubt der Biologielehrer.

Seit NRK von dem sonderbaren Erlebnis berichtete, häufen sich Meldungen von herunterregnenden Regenwürmern aus dem ganzen Königreich. Ein Mann entdeckte gar zahlreiche Regenwürmer auf seinem Hausdach. Das nahezu biblisch anmutende Phänomen ist anscheinend nicht neu. Von 1923 existiert eine Aufzeichnung aus dem benachbarten Schweden, in dem von regnenden lebenden Regenwürmern die Rede ist.

Wie es dazu kommt, lässt sich nur vermuten. Der Biologieprofessor Christer Erseus von der Universität Göteborg vermutet, dass die Regenwürmer mit Blättchen und anderen Pflanzenteilen vom Erdboden durch Windböen hoch in die Luft und Kilometer weit weg gewirbelt werden. Wenn es dann regnet, würden die Würmer abfallen, so die Theorie. Vor allem nach milden Wintern wie dem letzten sei die Wahrscheinlichkeit für regnende Würmer groß. "In der Winterperiode sitzen die Würmer dank ihres Schleims festgeklebt an Blättern", sagte er dem Sender NRK. Im Frühjahr, wenn es wärmer wird und mehr regnet, sollen die Tiere dann abfallen.

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