Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm. Menschen, die geimpft werden könnten, aber nicht geimpft werden, sind zu einem echten Risiko geworden. Das wird bei denen hierzulande, die es schick finden, Masern-Feten zu veranstalten, oder jenen, die das Impfen für einen Massenmordversuch einer bösen Weltregierung halten, nur finstere Einträge in sozialen Netzwerken auslösen. Gerade erst hat ein scheinbar netter Film aus dem Leben einer Familie Zweifel auch bei Bürgern gesät, die das Impfen bisher für das gehalten haben, was es ist: eine wirkungsvolle, vorsorgende Maßnahme, die Gesundheit und Leben rettet.

Dass man überhaupt über den Sinn von Impfungen diskutieren muss, ist ein kaum erklärbares Phänomen. Tatsache ist, dass die Impfgegner nur deshalb ihre esoterischen Ansichten ohne noch größeren Schaden verbreiten können, weil es immer noch so viele Klarsichtige gibt, die geimpft sind und alle anderen vor Ansteckung bewahren. Ist die Rückkehr der Pocken wünschenswert? Soll man noch mehr Menschen in Afrika sterben lassen, weil Ebola-Impfungen eventuell Nebenwirkungen haben? Soll man Staaten boykottieren, die den Nachweis von Gelbfieber-Impfungen bei der Einreise verlangen? Was genau ist dagegen zu sagen, dass Kinder keine Windpocken und deswegen als ­Erwachsene keine Gürtelrose be­kommen?

Nichts ist dagegen zu sagen. Nichts Vernünftiges jedenfalls. Weil aber Vernunft offenbar ein immer knapper werdender Rohstoff ist und es keinen Grund dafür gibt, dass Unschuldige leiden müssen, führt kein Weg mehr an der Impfpflicht für die schlimmsten Krankheiten vorbei.