Minja Hunderte Todesurteile in Ägypten

Entsetzen über das Urteil: Frauen vor dem Gericht in Minia. Foto: dpa
Entsetzen über das Urteil: Frauen vor dem Gericht in Minia. Foto: dpa
Minja / MEY DUDIN, DPA 29.04.2014
Einen Monat vor der Präsidentenwahl demonstriert Ägyptens Führung ihre Macht. Hunderte Islamisten wurden zum Tod verurteilt.

Einige ältere Frauen brechen auf der Straße schluchzend zusammen, als das Urteil im größten Massenprozess in der Geschichte Ägyptens fällt. Ein Mann im traditionellen Gewand und mit weißem Turban auf dem Kopf wischt sich Tränen aus den Augen. "Die Regierung verurteilt die Armen in diesem Land", ruft einer der Angehörigen aus der Menge, die sich vor dem von Sicherheitskräften abgeriegelten Gerichtsgebäude in der oberägyptischen Stadt Minia versammelt hat.

Zum zweiten Mal fällt in Minia ein verstörender Richterspruch: Todesstrafe für 683 Islamisten. Sie waren wegen der Teilnahme an gewalttätigen Protesten und dem Mord an einem Polizisten angeklagt. Vor einem Monat hatte Richter Said Jussif 529 Islamisten mit derselben Anklage zum Tode verurteilt. Nun wurden 37 der Todesurteile bestätigt und die übrigen in lebenslange Haft umgewandelt. Rechtskräftig ist noch keines der Urteile, doch die Angehörigen sind in großer Sorge. "Ich habe sechs Kinder. Sie sollen mich hinrichten, nicht den Versorger meiner Kinder", sagt eine Frau.

Die Entscheidung nach nur zwei Verhandlungstagen sorgt in Ägypten für Empörung. Auf Grundlage schlechter Ermittlungen würden unschuldige Menschen bestraft, sagen viele. Eine Rechtsanwalt spricht von einem politischen Urteil. "Ein Richterspruch wird auf Basis von Beweisen gefällt. Wo ist die Gerechtigkeit aber, wenn der Richter nach seiner persönlichen Überzeugung handelt", fragt Mohammed Salah.

Seit der Entmachtung des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Sommer 2013 geht die ägyptische Führung hart gegen Islamisten vor. Inzwischen ist die Muslimbruderschaft in Ägypten verboten und das Militär de facto an der Macht. In einem Monat wird der Präsident gewählt, Ex-Armeechef Abdul Fattah al-Sisi hat beste Aussicht auf den Sieg.

Doch auch Demokratie-Aktivisten sitzen in ägyptischen Gefängnissen. Wenige Stunden nach dem Urteil in Minia wurde in der Hauptstadt Kairo ein Richterspruch gegen die oppositionelle Jugendbewegung bekannt.

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