Gesundheit HIV: Spahn setzt auf Selbstests

Berlin / Guido Bohsem 21.09.2018

Geht alles glatt, sind Schnell-Tests zum Nachweis des Aids-Erregers HIV bald überall erhältlich.  Macht der Bundesrat heute den Weg frei, können die Kontrollgeräte von kommender Woche an etwa in Drogerien, Supermärkten oder auch in Sexshops gekauft werden. Die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angestoßene Initiative soll helfen, die Krankheit weiter einzudämmen. „Mit der Verkaufsfreigabe für solche HIV-Selbsttests können wir noch erfolgreicher sein im Kampf gegen HIV und Aids“, sagte Spahn der SÜDWEST PRESSE.

Bislang war ein solcher Test nur in ausgewählten Stellen oder unter ärztlicher Aufsicht möglich. Weil die Tests deutlich sicherer geworden sind und nach Einschätzung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) auch für Laien gut handhabbar sind, haben sich fast alle Experten für eine Freigabe ausgesprochen. Michael Tappe von der Deutschen Aids-Hilfe weist  darauf hin, dass eine HIV-Infektion umso besser behandelt werden kann, je früher sie erkannt wird. Bei rechtzeitiger Therapie habe ein Infizierter eine ähnliche hohe Lebenserwartung wie ein gesunder Mensch.

Ähnlich sieht es Spahn: „Je früher Betroffene die Diagnose HIV kennen, desto früher können sie gut behandelt werden. Und andere haben bei Unsicherheit die Chance auf schnelle Gewissheit, nicht infiziert zu sein.“ Laut Robert-Koch-Institut leben schätzungsweise 12 700 Menschen in Deutschland, die – ohne es zu wissen – mit HIV infiziert sind.

Aus der Apothekerschaft hatte es Kritik an dem Vorhaben gegeben, weil bei einem freien Verkauf die notwendige Beratung durch einen Fachmann fehlte. Weil die Tests auch falsche Ergebnisse liefern können, hatten sie dafür plädiert, sie nur in Apotheken zu verkaufen. Die Tests zeigen aber lediglich in sehr wenigen Fällen eine Infektion an, die nicht vorhanden ist. Dass sie trotz einer HIV-Infektion „gesund“ anzeigen, gilt als ausgeschlossen. 

Spahn hat das PEI gebeten, Informationen zu den Selbsttests aufzuarbeiten. „Wir wollen Menschen unterstützen, die sich ohne ärztliche Beratung auf HIV testen“, sagte er. „Deswegen wird das PEI auf einer offiziellen Internetseite des Bundes fachliche Informationen und Orientierung für die HIV-Selbsttester anbieten.“ Sie soll nächste Woche aktiviert werden.

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel