Sommer Hitzewelle macht Deutschland zu schaffen

Berlin/Stuttgart / igs/gwb/tock/gra/kk 26.07.2018

Heiß, heißer und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Hitzewelle lässt das ganze Land schwitzen und hält uns noch eine Weile auf Trab. Die wichtigsten Tipps für den Supersommer.

Wieso ist es so heiß? So stabil wie in den vergangenen Monaten war die Wetterlage bisher selten. Der Grund dafür ist, dass sich Hochdruckgebiete über dem Nordatlantik und Nordeuropa festgesetzt haben, erklärt der Deutsche Wetterdienst (DWD). Sie bringen relativ trockene und kühle Luft nach Deutschland, die hier von der Sonne erwärmt wird.

Was bedeutet das für die Natur? Uwe Schickedanz vom DWD in Stuttgart warnt vor einer „deutlich erhöhten Waldbrandgefahr“ in Baden-Württemberg, besonders in den Regionen Oberrhein, Hohenlohe und südlicher Hegau. Dort hat der DWD gestern die zwei höchsten Stufen des Waldbrand-Gefahrindex ausgerufen. Am Wochenende habe es zwar auf der Schwäbischen Alb und im Allgäu örtlich stark geregnet. „Das war aber nicht ausreichend, wir brauchen einen flächendeckenden Regen um das Risiko zu dämmen“, sagt Schickedanz. „Aber das heiße, trockene Wetter bleibt im Großen und Ganzen die kommenden zehn Tage erhalten.“ Für den Brandfall in Baden-Württemberg seien die örtlichen Feuerwehren gut aufgestellt. Außerdem stehen Löschwasserbehälter bei der Bundeswehr bereit, die 5000 Liter Wasser fassen und mit Hubschraubern zum Einsatz kommen können.

Klimaanlage an? Das Sitzen in Zugluft aus Ventilatoren und Klimaanlagen ist nicht zu empfehlen. Wenn die kalte Luft zum Beispiel auf den Hals trifft, sinkt die Temperatur im Rachen, was bereits erworbenen Viren zu gute kommt. Erkältungen können entstehen, warnen Mediziner.

Gar kein Thema ist das für Ute Kori. Sie hat wohl einen der derzeit anstrengendsten Arbeitsplätze in Baden-Württemberg: Sie ist Straßenbauerin. „Der Asphalt wird mit 150 bis 180 Grad angeliefert“, sagt Kori. Die andauernde Hitze bezeichnet sie als „sehr schwierig für unsere Branche“. Im Straßenbau ist momentan Hochphase.

Über zu hohe Temperaturen können sich die Bootsführer der „Wimsener Höhle“ bei Hayingen auf der Schwäbischen Alb dagegen nicht beschweren: 10 bis 12 Grad herrschen ganzjährig in der Quellhöhle. „Das ist ein sehr angenehmer Job“, sagt Geschäftsführer Daniel Tress. Die Bootsführer fahren von April bis Oktober Touristen rund 70 Meter ins Höhleninnere. Tress: „Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht erkältet, wenn man draußen schwitzt und dann in die kühle Höhle fährt.“

Wieviel sollte man trinken? Besonders ältere Menschen und kleine Kinder können unter großer Hitze leiden. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab deshalb am Mittwoch den korrekten Hinweis: „Viel trinken und im Zweifel die Wärmflasche mal in den Kühlschrank legen.“ Zwei Liter sollten es nach Einschätzung des AOK­Bundesverbandes pro Tag mindestens sein, am besten Wasser oder stark verdünnte Fruchtsaftschorlen. Vorsicht mit Alkohol. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt:  „Wer alkoholisiert badet, kann selbst bei einer Wassertemperatur von 20 bis 22 Grad einen Kälteschock erleiden.“

Ab ins Freibad? Nicht nur sind Badeseen und Freibäder bei diesen Temperaturen meist überfüllt. In Berlin hat ein Vorfall im Olympia-Freibad für eine breitere Debatte zur Schwimmbadgerechtigkeit gesorgt. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, hat das Management der britischen Band Depeche Mode dort über Tage hinweg eine ganze Schwimmbahn angemietet, jeweils zwischen acht und zehn Uhr. Für andere Schwimmgäste ist die Bahn in dieser Zeit gesperrt. Eine Sprecherin der Berliner Bäderbetriebe, sagt die private Nutzung sei in der Bäderverordnung festgelegt. Sie kostet 60 Euro pro Stunde für eine 50-Meter-Bahn.

 Ist die Urlaubsreise in Gefahr? Das Wochenende wird schlimm für Autoreisende. Wer sich Freitag oder Samstag auf den Weg nach Süden macht, hat gleich mit zwei Härten zu kämpfen. Kilometerlange Staus und große Hitze. Auf der Autobahn A 7 wird vor sogenannten „Blow ups“ gewarnt, durch die Hitze kann der Asphalt gefährlich aufplatzen. Deshalb sind dort während der Hitzetage auf verschiedenen Abschnitten nur 80 Stundenkilometer erlaubt. Der ADAC empfiehlt deshalb morgens sehr früh oder abends spät losfahren, um die höchsten Grade und die höchste Verkehrsbelastung zu vermeiden. Eine ganz schlechte Idee ist es, Kinder oder Tiere im Auto zurückzulassen. Bei einer Außentemperatur von 28 Grad, so hat es der ADAC ausgerechnet, wird es im geschlossenen Fahrzeug etwa 50 Grad warm – und das übrigens schon in einer halben Stunde. Da hilft es auch nichts, das Fenster ein Stück weit zu öffnen.

Darf ich barfuß und mit Eis am Steuer fahren? Wer mit Flipflops oder sogar barfuß fahren will, kann das tun. Sollte ein Unfall passieren, könnte der Fahrer aber wegen einer Teilschuld belangt werden. Auch das Essen von Eis am Steuer ist nicht verboten, doch auch hier gilt im Falle eines Unfalls: Mitschuld möglich.

Gibt es überhaupt genug Eis? Bei Bier und Wasser wird es wegen der Hitzewelle offenbar eng, beim Eis können die Verbraucher aufatmen. Die Hersteller fahren Sonderschichten, sagte der Geschäftsführer des Süßwaren-Verbandes, Ernst Kammerinke. „Der Vorteil beim Eis ist, dass es bei den Rohstoffen und Zutaten derzeit keine Verknappung gibt.“

Was sagen Gastronomen? „Alles über 30 Grad ist nicht unbedingt gut für uns“, sagt Eberhard Riedmüller, Ulmer Großgastronom und Chef der Barfüßer-Kette. „Die Leute haben weniger Hunger und trinken auch weniger Bier, höchstens mal ein Radler.“ Aber Riedmüller will sich nicht beschweren: „Regen ist viel schlimmer.“

Gefahren im See Im Stuttgarter Max-Eyth-See besteht der Verdacht auf Blaualgen. „Der See hat eine geringe Tiefe, kaum Wasserzufluss und eine sehr hohe Nährstoffkonzentration“, sagt Alexander Gass von der Dienststelle Zentrale Aufgaben. „Diese Faktoren führen dazu, dass sich schnell Algen bilden.“ Dabei handelt es sich bei besagten Blaualgen um Cyanobakterien, die nur wie Algen aussehen. Ihre Stoffwechselprodukte können beim Menschen zu Hautreizungen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall führen. „Baden ist im Max-Eyth-See aber sowieso verboten“, sagt Gass.  Tierhalter habe man über Medienberichte gewarnt.

Was machen eigentlich Zootiere? Die „Affenhitze“ plagt nicht nur die Menschen. Auch die Bewohner des Berliner Tierparks suchen nach Abkühlung. Tiere aus warmen Gegenden geben die Wärme über große Körperorgane, wie beispielsweise Elefantenohren, ab. Für alle Tiere ohne speziellen Überhitzungsschutz gilt laut Florian Sicks, dem Säugetierkurator des Parks, das Gleiche wie für Menschen: also vor allem schattige Plätze suchen, mehr trinken und ab ins kühle Nass.

igs/gwb/tock/gra/kk

Ist das der Klimawandel?

Nicht nur in Deutschland ist es derzeit heiß – selbst am Polarkreis wurden in diesem Sommer bereits 30 Grad gemessen. Viele Menschen fragen sich deswegen: Ist das jetzt der Klimawandel?

Grundsätzlich gebe es immer wieder Hitzewellen, sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Auch der französische Klimatologe Jean Jouzel gibt zu bedenken, dass es „sehr schwierig“ sei, einzelne Wetterextreme direkt auf menschliche Aktivitäten wie den Treibhausgasausstoß zurückzuführen.  Die jüngsten Wetterepisoden allerdings seien „kompatibel mit den langfristigen Tendenzen, die durch die Konzentration der Treibhausgase verursacht werden“, bilanziert die Weltorganisation für Meteorologie.

PIK-Forscher Peter Hoffmann allerdings ist sich sicher: „Wir sind bereits mitten im Klimawandel. Wir rechnen damit, dass ein Sommer wie dieser um das Jahr 2050 ein durchschnittlicher Sommer sein wird.“

Der Temperaturanstieg wird dabei nicht nur Hitzewellen zur Folge haben. „Auch die Wetterextreme werden weiter zunehmen“, warnt Hoffmann. igs

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