Hintergrund Hintergrund: Fairtrade zu Weihnachten

Das Siegel der Organisation FLO.
Das Siegel der Organisation FLO. © Foto: dpa
Berlin / Michael Gabel 22.12.2017

Hübsch sieht es aus, das graue Damen-T-Shirt der Firma ThokkThokk mit dem gelben Muster. 19,99 Euro kostet es beim Online-Shop Amazon. Großer Pluspunkt: Das T-Shirt ist fair gehandelt – das heißt, ein Teil des Gewinns geht an die Produzenten, in diesem Fall in Indien.

Längst sind es nicht mehr nur die Eine-Welt-Läden, die Fairtrade-Produkte anbieten. Die Zahl der Deutschen wächst, die Gefallen daran finden, mit ihrem Einkauf direkt Menschen in Afrika, Asien oder Lateinamerika zu unterstützen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz in Deutschland bei 1,2 Milliarden Euro.

Der Bremer Professor für Wirtschaftswissenschaften, Hans­­Heinrich Bass, lobt die Fairtrade-Initiative, die seit 1992 ihr international gültiges Siegel vergibt: „Wer zu Weihnachten etwas schenken möchte und damit auch einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Entwicklungsländern leisten möchte, trifft mit Produkten aus dem fairen Handel sicherlich eine gute Wahl.“ Zugleich macht er deutlich, dass es sich bei Fairtrade immer noch um einen Nischenmarkt handelt. „Gemessen allein an den sechsmal höheren Ausgaben eines durchschnittlichen Verbrauchers in der Schweiz gibt es in Deutschland noch viel Luft nach oben.“

Das Fairtrade-Siegel weist darauf hin, dass ein Produkt – die Palette reicht von der Sitzgarnitur bis zu Kaffee und Tee – die Vorgaben der Fairtrade Labelling Organisations (FLO) einhält. Dazu gehören der direkte Handel ohne Zwischenhändler, langfristige Lieferbeziehungen und die Zahlung eines garantierten Mindestpreises, der die Lebenshaltungs- und Produktionskosten der Hersteller decken soll. Im normalen Handel beträgt der Lohnanteil bei einem T-Shirt, das 20 Euro kostet, für die Mitarbeiter in den Textilbetrieben nur rund zwölf Cent.

Ein wesentlicher Grund, warum sich der Fairtrade-Markt ausweitet, ist das Online-Geschäft. So sind bei Amazon derzeit rund 35 000 Fairtrade-Produkte im Angebot, die allerdings nicht alle mit dem FLO-Siegel ausgestattet sind. Das ThokkThokk-T-Shirt besitzt dieses Siegel. Und bei der Geschäftsführung des Münchner Bekleidungsunternehmens weiß man auch, wer profitiert: die Mitarbeiter einer BeFabrik im südindischen Tiruppur. Michael Gabel