Gesundheit Heftige Debatte um Organspende-Pflicht

Berlin / Hajo Zenker 04.09.2018

Der überraschende Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Organspende hat zu einer heftigen Debatte geführt. Der Minister möchte, dass jeder Deutsche automatisch Spender sein solle, so lange er oder die Angehörigen nicht widersprechen. Über die Frage dieser Widerspruchslösung solle im Bundestag abgestimmt werden, und zwar als Gewissensfrage. Bisher gilt die Entscheidungslösung – man muss einen Organspendeausweis bei sich tragen.

Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, ist gegen die Idee. „Der freiheitliche Staat darf keine Entscheidungspflichten schaffen, die eine Widerspruchslösung zwangsläufig nach sich zieht.“ Andrew Ullmann, FDP-Obmann im Gesundheitsausschuss, will Verbesserungen in Kliniken, „bevor Menschen indirekt zur Spendeneinwilligung gezwungen werden“. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, seit Jahren Verfechter der Widerspruchslösung, hält diese ethisch für geboten: „Wer ein Organ braucht, geht ja auch davon aus, automatisch auf die Warteliste zu kommen. Da sollte man auch automatisch auf die Spenderliste kommen.“ Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) ist für den Vorstoß. Peter Dabrock, Vorsitzender des Ethikrates, sieht bei der Widerspruchslösung „Organabgabepflicht“ statt Organspende. Auch die Kirchen kritisieren die Idee.

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