Kommentar Handelskrieg: Erdogan wird zum Risiko

Gerd Höhler
Gerd Höhler © Foto: Fotoagentur Netzhaut
Ankara / Gerd Höhler 13.08.2018
Der türkische Präsident versucht, die Währungsturbulenzen kleinzureden. Doch das wird nicht reichen.

Noch hat die türkische Währungskrise den Staatschef Recep Tayyip Erdogan nicht erreicht. Im Gegenteil, er steht einstweilen als Gewinner da. Erdogan zeigt auf Donald Trump als den Schuldigen, spricht von einem „Wirtschaftskrieg“, den die USA der Türkei erklärt hätten.

Die Blase droht zu platzen

Der Staatschef selbst vergleicht die Situation mit dem Putschversuch vom Juli 2016. Wie damals, hofft er auch jetzt,  aus den Turbulenzen gestärkt hervorzugehen und seine Macht  zu zementieren. Noch folgen ihm seine Anhänger. Aber Erdogan wird immer mehr zu einem Risiko für sein Land. Mit seiner Politik des billigen Geldes und staatlichen Kreditbürgschaften hat er jahrelang einen Wirtschaftsboom künstlich aufgepumpt. Jetzt droht die Blase zu platzen.

Erdogan kann es zwar gelingen, seine Landsleute noch eine ganze Weile um sich zu scharen, indem er auf einen imaginären äußeren Feind zeigt. Aber die Schlangen vor den Bankschaltern und Wechselstuben sind Warnsignale. Steuern die türkischen Währungshüter nicht rasch gegen, könnte aus den Währungsturbulenzen schnell eine politische Krise werden, die auch Erdogan in ihren Strudel reißt.

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