Großbritannien Großbritannien macht die bessere Klimapolitik

Einer von vielen Windparks vor Englands Küste.
Einer von vielen Windparks vor Englands Küste. © Foto: AFP / SHAUN CURRY
London / Jochen Wittmann 21.06.2018

Im Klub der Klimaschützer ist Großbritannien geradezu ein Musterknabe. Seit Ende der 90er Jahre, nachdem Tony Blair und New Labour an die Macht kamen, gilt das Königreich als Vorkämpfer der Klimapolitik innerhalb der Europäischen Union und auf der weltweiten Bühne. Der von Blair in Auftrag gegebene und 2006 publizierte „Stern-Report“, die damals umfassendste Analyse ihrer Art, setzte die Parameter für eine globale Debatte. In Großbritannien führte er zum 2008 erlassenen Klimawandel-Gesetz, mit dem sich das Königreich verpflichtet, die CO2-Emmissionen bis 2050 im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 80 Prozent zu reduzieren.

Als David Cameron 2010 das Steuer übernahm, wurde an diesen Zielen festgehalten, nicht zuletzt, weil Cameron die Konservative Partei in die politische Mitte führen und mit einer grünen Politik neue Wählerschichten erreichen wollte. Auch unter Theresa May hat sich daran nichts geändert. Großbritannien kann auf eine solide Kontinuität in der Klimaschutzpolitik zurückblicken. Das Land wird die Klimaziele der EU nicht nur bequem erreichen, sondern übererfüllen. Ende 2017 stieß man in Großbritannien 38 Prozent weniger COaus, die Insel ist nun auf dem Stand von 1890, also dem Jahr, in dem Oscar Wilde „Das Bildnis des Dorian Gray“ veröffentlichte, bis 2020 möchte man die 50 Prozent erreichen.

Geschafft hat man die enormen Fortschritte mit einer konsequenten Schließung von Kohlekraftwerken in den vergangenen zehn Jahren. Im Jahr 2025 soll die letzte CO2-Drecksschleuder stillgelegt werden. Während der Anteil der Kohle am Energiemix des Königreichs stetig zurückgeht, wächst der Anteil der erneuerbaren Energien. Im dritten Quartal des Jahres 2017 stellten erneuerbare Energien den Rekordanteil von 30,2 Prozent bei der Stromerzeugung. Das war nicht zuletzt auf die stärkeren Winterwinde zurückzuführen, die auch durch die riesigen Windturbinen-Parks vor den Küsten der Insel wehten. Im gesamten Jahr 2017 machten erneuerbare Energien zusammen mit der Atom­energie erstmals mehr als die Hälfte der Stromproduktion aus.

„Atomkraft? Nein Danke“ war nie ein zündender Slogan in Großbritannien. Die Regierung versteht Nuklearenergie als grüne Energie, schließlich liegen die CO2-Emmissionen bei Null.  Heute liegt der Anteil von Nuklearenergie im Mix bei etwas mehr als 20 Prozent und dürfte in Zukunft leicht steigen. Weitere Atommeiler sind bereits in Planung.

Eine offene Frage bleibt, welche Rolle der Brexit in der Klimapolitik des Landes spielen wird. Denn kämen aufgrund der Brexit-Wirren Hardliner wie Jacob Rees-Mogg innerhalb der Konservativen Partei ans Steuer, wäre es voraussichtlich mit der Förderung von erneuerbaren Energien vorbei. Auch der Klimapolitik der EU würde es nicht helfen, wenn mit Großbritannien einer der eifrigsten Fürsprecher kein Mitspracherecht mehr hat.

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