Griechenland Geflüchtete Türken befürchten Auslieferung

Gerd Höhler 09.01.2018
Griechenland verliert für geflüchtete Türken an Sicherheit. Einem von Erdogans Ex-Soldaten wurde der Asylstatus aberkannt. Eine Reaktion, um die Türkei milde zu stimmen?

Fast 2000 türkische Staatsbürger suchten bereits in Griechenland Zuflucht vor den „Säuberungen“ in ihrer Heimat. Doch auch im Exil fürchten sie den langen Arm des Staatschefs Recep Tayyip Erdogan – vor allem, seit die griechische Regierung acht geflohenen türkischen Soldaten das Asyl aberkennen will.

Ein Verwaltungsgericht in Athen entzog auf Antrag der griechischen Regierung dem türkischen Offizier Süleyman Özkaynakci das erst vor zehn Tagen erteilte Asyl. Die Entscheidung gilt bis zur Hauptverhandlung am 15. Februar. Özkaynakci ist einer von acht türkischen Soldaten, die während des Putschversuchs vom Juli 2016 mit einem Hubschrauber nach Nordgriechenland geflohen waren. Die Türkei verlangt ihre Auslieferung. Die Männer sollen als Putschisten vor Gericht gestellt werden.

Der griechische Premier Alexis Tsipras hatte dem türkischen Staatschef Erdogan bereits versprochen, die Soldaten in die Türkei zurückzuschicken. Doch dann untersagte das Oberste Gericht die Auslieferung. Die Männer erwarte in der Türkei kein faires Verfahren, stellten die Richter fest. Jetzt will Tsipras Erdogan offenbar mit seinem Einspruch gegen den Asylbescheid der eigenen Behörden milde stimmen.

Die acht Offiziere sind nicht die einzigen, die in Griechenland Schutz vor Verfolgung suchen. Auf der Flucht vor Erdogans Verfolgungen kamen 2017 rund 1750 türkische Bürger nach Griechenland. Einer von ihnen ist Erdal. Der 35-Jährige arbeitete als Lehrer an einer Privatschule, bis er Ende 2016 entlassen wurde – einer von mehr als 30.000 Lehrern, die Erdogan seit dem Putschversuch feuern ließ. Um seiner Festnahme zu entgehen, setzte sich Erdal samt Frau nach Griechenland ab. 2800 Dollar zahlten die Eheleute an einen Schleuser, der sie nach Lesbos brachte. „Ich weiß immer noch nicht, was man mir vorwirft“, sagt er. Er vermutet, dass ihm sein Konto bei der Bank Asya zum Verhängnis geworden ist, weil diese zur Organisation des Erdogan-Erzfeindes Fethullah Gülen gehört haben soll. Erdal bestreitet jede Verbindung zum Gülen-Netzwerk. Er lebt seit sechs Monaten in Athen. Das Ehepaar zehrt von Erspartem, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch.