Berlin Glosse zum Koalitionsvertrag: Eine Frage des Wollens

Union und SPD haben sich auf ein 185 Seiten langes Regierungsprogramm mit dem Titel "Deutschlands Zukunft gestalten" gegeben. Foto: Soeren Stache
Union und SPD haben sich auf ein 185 Seiten langes Regierungsprogramm mit dem Titel "Deutschlands Zukunft gestalten" gegeben. Foto: Soeren Stache
AXEL HABERMEHL 28.11.2013
Ganze 244 Mal findet sich auf den 185 Seiten des Koalitionsvertrags die Formulierung "Wir wollen . . ." - nicht gerade eine besonders verbindliche Aussage. Von Axel Habermehl

Willenskraft ist im Allgemeinen ein positiv besetzter Begriff. Das kommt den Unterhändlern von Union und SPD zupass, denn das, was nun als Ergebnis schwarz-roter Koalitionsverhandlungen auf dem Tisch liegt, strotzt nur so vor Willenskraft. Beziehungsweise vor Wollenskraft, denn das Wollen spielt in diesem Text eine ziemlich kräftige Rolle. Ganze 244 Mal findet sich auf den 185 Seiten die Formulierung "Wir wollen . . ."

Und was die Koalitionäre nicht alles wollen: "Chancen nutzen", "verlässliche Rahmenbedingungen schaffen", "die Thesaurierungsregelungen für Einzelunternehmen prüfen" oder auch "die wissenschaftliche Aufarbeitung der deutschen Frauenbewegung unter besonderer Beachtung der Frauenbewegung in der DDR und der Umbruchzeit 1989/90 vorantreiben".

Nur selten aber ist der Wille dabei so konkret formuliert, wie im letzten Fall. Überhaupt ist ja "wir wollen" nicht gerade eine besonders verbindliche Aussage. Das verdeutlicht, wie irreführend der Begriff "Koalitionsvertrag" ist. Ein Koalitionsvertrag, und wird er noch so feierlich unterschrieben, ist kein Vertrag wie ein Kauf-, Miet- oder Arbeitsvertrag. Ob und wie sehr man sich an einen Koalitionsvertrag gebunden fühlt, ist eher eine Frage des Wollens.