Berlin Gianis Varoufakis: Auf der Suche nach Europa

Gianis Varoufakis meldet sich zurück, als Kopf einer Protestbewegung.
Gianis Varoufakis meldet sich zurück, als Kopf einer Protestbewegung. © Foto: dpa
Berlin / DPA 10.02.2016
Gianis Varoufakis, ehemaliger Finanzminister Griechenlands, hat in Berlin eine neue Protestbewegung vorgestellt. Er will die EU demokratisieren.

Wenn der Zulauf zu seiner neuen Protestbewegung nur annähernd so groß wird wie der Medienauflauf bei der Vorstellung in der Berliner "Volksbühne", ist die Sache für Gianis Varoufakis geritzt. Klar klinge es utopisch, sagte der frühere griechische Finanzminister am Dienstag trotzig. Aber das sei ja kein Grund, um es nicht zu versuchen und sich als breite, grenzüberschreitende Alternative aufzustellen - gerade jetzt, wo Europa der rasche Zerfall drohe, so der linke Ökonom, der einige Monate das "enfant terrible" der Eurozone war.

Ausgerechnet Berlin wählte Varoufakis aus, um für seine Bewegung "Democracy in Europe Movement 2025" (DiEM25) zu werben. Das neue Netzwerk sieht der 54-Jährige als Alternative zu einem "Re-Nationalisierungs-Irrweg" und einer Unterwerfung unter "anti-demokratische EU-Institutionen". Es verwundert nicht, dass er die halbstündige Pressekonferenz im "Roten Salon" der "Volksbühne" am Rosa-Luxemburg-Platz abhält. Berlin habe er ganz bewusst gewählt, sagt Varoufakis - im Jackett mit hochgeschlagenem Kragen, seinem Markenzeichen. Schließlich könnten ohne deutsche Beteiligung keine Veränderungen in Europa erreicht werden.

Berlin steht für den Griechen aber auch für eine verfehlte Krisenpolitik. Die Bundeskanzlerin erwähnte Varoufakis aber nur kurz am Rande - im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. Kein Wort verlor er über seinen Dauergegner bei der Griechenland-Rettung, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Die Ziele beschreibt Varoufakis, um den es zuletzt eher ruhig geworden war, so: Die paneuropäische Bewegung wolle die EU demokratisieren und die Kraft der Kritiker der Institutionen in Brüssel und Frankfurt bündeln, um einen Zerfall der Union zu verhindern. Für mehr Transparenz sollten die Europäer auch auf die Straße gehen.