Grüne Grüne nach Jamaika-Scheitern: Gezeichnet von Katerstimmung

Enttäuscht: Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt.
Enttäuscht: Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt. © Foto: dpa
Berlin / Michael Gabel 21.11.2017
Die Grünen hatten sich für Jamaika schwer ins Zeug gelegt. Am Ende hat es nicht geholfen. Neuwahlen – aber mit wem?

Bei den Grünen herrscht nach dem Aus der Jamaika-Verhandlungen Katerstimmung. Sie wollten nach 2005 wieder an die Macht im Bund. Doch es hat nicht sollen sein. Wie geht es nun weiter mit der Öko-Partei?  „Es gibt bei uns eine Tendenz, aber wir sind in alle Richtungen gesprächsbereit“, sagte die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt. „Und die Tendenz“, fügte sie hinzu, „geht in Richtung Neuwahlen“. Falsch gemacht habe man bei den Sondierungen höchstens, dass der Grundsatzstreit mit der FDP nicht gleich zu Beginn der Sondierungsgespräche ausgefochten worden sei. Das hätte viel Zeit sparen können.

Leise Selbstkritik lag auch in den Worten von Grünen-Chef Cem Özdemir. „In die Geschichtsbücher einzugehen als jemand, der ,Jamaika‘ nicht hinbekommen hat, ist nicht schön“, sagte er. Nun wolle man nach vorne schauen. Er wolle gern wieder mit Göring-Eckardt antreten, schließlich sei man bei der Wahl erfolgreich gewesen. Ob es allerdings so kommt, ist offen.

Viele in der Partei sähen die Grünen besser aufgestellt, wenn ein Parteilinker wie Anton Hofreiter oder Jürgen Trittin zum Duo gehören würde. Auch wäre der Nachwuchsstar Robert Habeck, grüner Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, ein aussichtsreicher Bewerber. Der Parteitag am Sonnabend könnte erste Hinweise liefern, ob das Spitzenduo Göring-Eckardt bei Neuwahlen wirklich gesetzt wäre.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann spart indes nicht mit Kritik an den Liberalen. Sie hätten fehlenden Patriotismus an den Tag gelegt. Kretschmann: „Wir wollten diese Koalition wirklich, und alle Sondierer meiner Partei haben sehr hart dafür gearbeitet“. Parteichefin Simone Peter spricht von einem „Egotrip“, und zudem sei der Eklat geplant gewesen und nicht an Inhalte gebunden.