Herr Dr. Beyer, in der großen Koalition herrscht Übereinstimmung, dass die Förderung der Mitarbeiterbeteiligung ein wichtiges gesellschaftliches Ziel ist. Trotzdem geht es nicht voran. Woran liegt das?
HEINRICH BEYER: Wir bedauern das. Bei den Unternehmen spüren wir zunehmendes Interesse. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Mitarbeiter-Kapitalbeteiligungen sind aber sehr ungünstig. 2009 wurde ein neues Mitarbeiterbeteiligungsgesetz verabschiedet. Das hat positive Veränderungen gebracht, ist aber längst nicht ausreichend.

Die schwarz-rote Koalition hat das Thema nicht auf der Agenda?
BEYER: Da haben andere politische Themen Priorität. Da kommen wir im Augenblick nicht voran. Wir wissen aber aus einzelnen Ministerien und auch aus einigen Landesregierungen, dass es Initiativen gibt, das wieder auf die politische Tagesordnung zu rücken. Wir werben nach der Sommerpause im federführenden Bundesarbeitsministerium wieder für die Bedeutung.

Wie könnte der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen verbessern?
BEYER: Wir wollen eine nachgelagerte Besteuerung oder höhere Freibeträge für die Besteuerung der Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung. Natürlich fragt das Finanzministerium, was das den Staat an Ausfällen bei Steuereinnahmen und Sozialversicherungen kostet. Aber die Vorteile für Unternehmen, Mitarbeiter und Gesellschaft überwiegen deutlich.

In der EU sind uns viele Länder weit voraus. Wie kommt das?
BEYER: Das zeigt uns, das man Erfolge erzielen kann, wenn man gezielt Mittel einsetzt für das Thema Vermögensbildung und die Anreize richtig setzt. Das ist hier zuletzt vernachlässigt worden. Wir haben die steuerlichen Anreize sehr einseitig konzentriert auf die betriebliche Altersversorgung. Nur haben wir da längst nicht die Renditen, die bei der Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung erzielt werden.

Als großer Nachteil gilt, dass im Fall des Konkurses eines Betriebs für die Beschäftigten neben den Arbeitsplätzen auch die Beteiligung verloren ist.
BEYER: Eine Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung ist eine mit Risiko verbundene Anlageform. Im Fall der Insolvenz ist in der Regel auch das Geld der Mitarbeiter verloren. Das wird von uns auch klar kommuniziert. Wir können nicht mit einem Produkt zugleich große Sicherheit und hohe Renditen erreichen. Da sollte natürlich keiner all sein Geld auf eine Karte setzen. Da wird aber auch von fast allen Unternehmen Vorsorge getroffen und die Beteiligung begrenzt auf einen Betrag X. Jeder Mitarbeiter kann im Übrigen selbst entscheiden, ob er sich an seinem Unternehmen beteiligen will.

Was versprechen sich die Unternehmen davon?
BEYER: Es geht den wenigsten Unternehmen darum, zusätzlich Geld bei den Mitarbeitern einzusammeln. Das kriegen sie heute viel günstiger bei der Bank. Gerade für das typische baden-württembergische, mittelständische Unternehmen ist die Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter ein Instrument, um die Nähe des Unternehmens zum Mitarbeiter noch einmal deutlich hervorzuheben. Und sich damit auch von anderen Unternehmen abzuheben in der Konkurrenz um Fachkräfte.

Info Dr. Heinrich Beyer ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) - www.agpev.de