Ulm Geschenke über Geschenke - Weniger ist mehr

Bereicherung oder Ballast - diese Frage stellt sich auch bei Paketen.
Bereicherung oder Ballast - diese Frage stellt sich auch bei Paketen. © Foto: Fotolia
Ulm / MARLENE MÜLLER 29.12.2014
Schön, dass der Weihnachtsmann jedes Jahr kommt und die Geschenke bringt. Schade, dass danach niemand kommt und wieder etwas mitnimmt. Zum Beispiel den handgetöpferten Kerzenhalter, den kratzigen Pulli und die Unterhose mit den Rentier-Motiven. Tausende von Geschenken blicken dieser Tage einer dunklen Zukunft in der untersten Schublade entgegen.

Die Geschenke sind freilich nur die Spitze des Materialismus, die Konsequenz aus der Frage: Was schenkt man Leuten, die schon alles haben? Rund 10.000 Dinge besitzt ein Europäer im Durchschnitt - das lässt sich zwar schwer belegen, aber allein ein Blick in den Kleiderschrank oder die Garage zeigt, dass etwas Wahres daran ist. Ausgerechnet ein US-Amerikaner hielt diesen Überfluss eines Tages nicht mehr aus. Dave Bruno war Ende 30, als ihm klar wurde, wie viele Dinge er hatte, die er gar nicht brauchte und die ihm den Blick auf das Wesentliche versperrten. Er startete "The 100 Thing Challenge": Ein Jahr lang wollte er mit maximal 100 Sachen leben. Bruno wollte beweisen, dass man nicht mehr braucht, um glücklich zu sein. Sieben Jahre danach ist er seinem Motto weiterhin treu. Der letzte Stand der Dinge: 94.

Mit seinem Minimalismus hat Bruno viele Menschen inspiriert. Aber er wurde nicht von Kritik verschont. Manche nehmen es ihm übel, dass er Dinge, die er mit seiner Frau teilt, nach wie vor nicht mitzählt. Und dass er seinen linken und seinen rechten Schuh als ein Ding wertet. Radikalen Minimalisten geht das nicht weit genug. Unter ihnen soll es sogar einige geben, die jedes Element eines Bettes addieren: ein Lattenrost, vier Beine, acht Schrauben. . .

Ob das frei macht, können nur die Beteiligten selbst sagen. Den anderen kann es schon helfen, zum Neuen Jahr hin etwas auszumisten. Das Gute daran: Unnützes Zeugs loszuwerden macht viel mehr Spaß, als sich Vorsätze aufzubürden. Und das Beste: Hat man erstmal ausgemistet, ist wieder Platz, um sich viele neue Dinge zu kaufen.