Schutz für Flüchtlinge Viele Kirchengemeinden missachten Regeln für Kirchenasyl

Gesangsbuch in einer Kirche: Sakrale Räume haben eine jahrhundertealte Schutztradition. Foto: Lukas Schulze
Gesangsbuch in einer Kirche: Sakrale Räume haben eine jahrhundertealte Schutztradition. Foto: Lukas Schulze © Foto: Lukas Schulze
Berlin/Nürnberg / DPA 21.08.2018

In rund der Hälfte aller Kirchenasyl-Fälle haben die Kirchengemeinden nach Behördenangaben in den vergangenen gut eineinhalb Jahren einen wesentlichen Punkt des vereinbarten Verfahrens missachtet.

Zwischen Anfang 2017 und Ende Juni 2018 sei in etwa 50 Prozent aller Fälle kein Härtefall-Dossier eingereicht worden, teilte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit. Insgesamt seien in diesem Zeitraum Kirchenasylmeldungen für 3481 Menschen eingegangen.

Auf Grundlage der von den Kirchengemeinden eingereichten Dossiers soll das Bamf die Härtefälle gemäß dem im Februar 2015 eingeführten Verfahren eigentlich erneut prüfen. Die neue Herangehensweise war damals zwischen Kirchen und staatlichen Stellen vereinbart worden.

Die Kirchen in Deutschland gewähren Flüchtlingen Zuflucht, deren Leib und Leben durch eine Abschiebung bedroht wäre oder die nicht hinnehmbare soziale und psychische Härten ertragen müssten. Ziel ist, dass die Flüchtlinge doch ein Bleiberecht in Deutschland erlangen. Sakrale Räume haben eine jahrhundertealte Schutztradition. Die Flüchtlinge leben aber in den seltensten Fällen direkt in der Kirche, vielmehr im Gemeinde- oder Pfarrhaus oder anderen Räumen. Dort sind sie weitgehend vor einem polizeilichen Zugriff geschützt, denn der deutsche Staat achtet das Kirchenasyl.

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