Er galt vorübergehend als Retter der DDR, zumindest sorgten seine in harter Währung erwirtschafteten Milliarden dafür, dass der SED-Staat nicht schon Mitte der 80er Jahre Bankrott ging. Jetzt ist Alexander Schalck-Golodkowski im Alter von 82 Jahren gestorben. Der Devisenbeschaffer war einer der engsten Vertrauten des DDR-Machtzentrums um Erich Honecker, Erich Mielke und Wirtschaftslenker Günter Mittag.

Schalck-Golodkowski, gelernter Feinmechaniker und Diplom-Wirtschafter, gehörte seit den 50er Jahren dem Außenhandelsministerium der DDR an. Er entwickelte die Abteilung "Kommerzielle Koordinierung", zu der Ende der 80er Jahre rund 200 Unternehmen gehörten. Das "Koko"-Imperium arbeitete jenseits der Planwirtschaft nach dem Motto "Devisen erwirtschaften - egal wie". Kunstwerke, Antiquitäten, Schmuck und Waffen, aber auch Fleisch- und Milchprodukte gehörten zu den wichtigsten Einnahmequellen bei den Geschäften mit dem "nichtsozialistischen" Ausland. Zu den wichtigsten Importen zählte West-Hausmüll. Schalck-Golodkowski war seit Mitte der 70er Jahre auch für den vom Westen finanzierten Freikauf von Häftlingen zuständig. Als "persönlicher Beauftragter" Honeckers avancierte er zum wichtigsten Unterhändler der DDR bei innerdeutschen Verhandlungen. Dabei knüpfte er auch persönliche Kontakte zum damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß. Dieses "vertrauensvolle" Verhältnis half 1983 jenen Milliardenkredit einzufädeln, der der DDR das Überleben sicherte und für den die Bundesregierung bürgte.

Nach Absetzung der alten SED-Führungsriege und dem Mauerfall wurde für den "Koko"-Chef in der DDR die Luft immer dünner. Am 2. Dezember 1989 setzte er sich mit seiner Frau Sigrid nach West-Berlin ab. In seinem Buch beschreibt er sich als "ehrbaren Kaufmann". Seit 1990 lebte er zurückgezogen in Rottach-Egern am Tegernsee. "Wenn Sie ein Problem haben", hatte Strauß Senior nach Angaben seiner Söhne Schalck-Golodkowski einmal zugesichert, "dann kommen sie zu uns."