Gegen anonyme Samenspende

ELISABETH ZOLL 06.02.2013
Leni K. verlangt Auskunft. Sie fragt nach ihrem genetischen Vater. Weil ihr und anderen Kindern von Samenspendern bisher Informationen verwehrt wurden, klagt der Verein Spenderkinder.

Warum ist der Prozess so wichtig?

LENI K.: Seit 1989 gibt es das Recht, seine Abstammung zu kennen - doch dieses Recht wird uns verwehrt. Einzelne von uns haben immer wieder nach Daten gefragt, doch sie wurden abgewimmelt. Wenn das Urteil morgen in unserem Sinne ausfällt, wäre das ein Meilenstein. Wir würden zum ersten Mal ernst genommen werden.

Was könnte ein für Sie positives Urteil bewirken?

LENI K.: Es könnte ein Umdenken auslösen und den Gesetzgeber zwingen, Klarheit zu schaffen. Auch für die Samenspender. Ihnen müsste das Recht eingeräumt werden, dass sie von Spenderkindern finanziell nicht belangt werden können. Im Gegenzug dafür müssten wir mehr Transparenz erhalten. Es darf keine anonymen Samenspenden mehr geben. Der Spender muss sich bewusst sein, dass bei dem Vorgang ein Mensch entsteht, der Fragen hat. Dieser Vorgang ist etwas anderes als eine Blutspende.

Wird es ohne Anonymität überhaupt noch Samenspender geben?

LENI K.: Warum nicht? Es gibt schon viele Yes-Spender, die bereit sind, ihre Daten zu hinterlegen und in späteren Jahren in Kontakt mit dem Kind zu kommen, wenn dieses das will. Deshalb sind die Befürchtungen vorgeschoben. Man kann doch nicht - wie heute üblich - zwischen Empfängern und Spendern einen Vertrag zulasten Dritter abschließen. Obwohl wir das Recht haben, unsere Abstammung zu kennen, hat sich bisher kein Ministerium für unsere Forderungen starkgemacht. Das dürfte sich nach einem positiven Urteil ändern.

Sie haben mehrfach betont, dass es Ihnen nicht um Erb- und Unterhaltsansprüche geht.

LENI K.: Darum geht es unserem Verein tatsächlich nicht. Im Gegenteil: Wir wollen ja, dass da für den Spender Klarheit geschaffen wird. Alles andere wäre unmoralisch.

Andere Länder sind in ihrer Gesetzgebung weiter. Welches dient ihnen als Vorbild?

LENI K.: Wir orientieren uns an den USA. Dort gibt es ein Spenderkinder-Register. Da kann jedes Kind die Nummer des Spenders erfahren und die Halbgeschwister ausmachen. Das wünschen wir uns auch für Deutschland. Allerdings besteht das Problem darin , dass die wenigsten Spenderkinder wissen, dass sie Spenderkinder sind.

Die Dunkelziffer ist ja sehr hoch. Man geht von mindestens 100 000 Spenderkindern aus.

LENI K.: Ich vermute die Zahl ist deutlich höher. Jährlich entstehen ja weitere zigtausend Kinder.

Zeigt die Debatte der vergangenen Woche bereits Wirkung?

LENI K.: Seit 2010/2011 erhalten wir immer mehr Anfragen. Spenderkinder beginnen, sich mit ihrer Herkunft auseinanderzusetzen. Es melden sich aber auch Mütter und fragen: Wann soll ich mit meinem Kind über seine Herkunft reden? Was kann ich überhaupt sagen?

Erleben Sie auch Wut?

LENI K: Das weniger. Es kommen vor allem Fragen. Die meist jungen Leute wollen reden, sie brauchen den Austausch.

Leni K. ist Mitglied des Vereins Spenderkinder. Aus Rücksicht auf ihre Eltern verwendet sie ein Pseudonym.