Berlin Ganz direkt zur Sache

Berlin / TANJA WOLTER 11.07.2012
Euro-Rettung, Fiskalpakt, Bankenhilfe - die Bundesregierung hat viel zu erklären. Das macht sie unter anderem per Videobotschaft.

Wie macht man dem Bürger die europäische Krisenpolitik verständlich? Über den Appell von Bundespräsident Joachim Gauck an Angela Merkel, die Rettungsmaßnahmen und ihre (finanziellen) Folgen dem Volk besser zu erklären, mögen sich Mitarbeiter der Kanzlerin den Kopf zerbrechen. Finanzminister Wolfgang Schäuble unternimmt dagegen schon seit geraumer Zeit wenigstens den Versuch, Klartext zu sprechen - per Videobotschaft aus dem Internet. "Wie kann sich die Lage in Griechenland und Spanien wieder bessern?", fragt ihn eine junge Frau in der neuesten Folge von "Schäuble zur Sache". Der Minister holt aus, dass Griechenland, um wettbewerbsfähig zu werden, nicht um eine "Anpassung" herumkommt, auch nicht um eine "Anpassungskrise". "Wenn man zu lange über seine Verhältnisse lebt, kann man nicht - indem man noch besser lebt - die Probleme lösen", fügt er dann hinzu. Ist doch bürgerleicht. Nur dumm, dass in Spanien alles "ganz anders" ist, wegen des gestoppten Baubooms, was wiederum den Banken Probleme bereitet. Deswegen erhielten diese jetzt "kurzfristig" Kapital.

Ob die Fragestellerin damit zufrieden ist, muss dahin gestellt bleiben. Sie durfte ihre Frage nur in eine Videokamera sprechen, bekam Schäuble also gar nicht zu Gesicht. Wie auch der Mann mittleren Alters mit Vollbart, der wissen will, wie der Minister denn den "Zielkonflikt" zwischen Wachtstumspolitik und strenger Haushaltsdisziplin lösen will. Dieser Frage ausgesetzt, sieht sich Schäuble am "Kern der Ursache dieser krisenhaften Entwicklung" angelangt - zu hohe Schulden. Es folgt die alles erklärende Botschaft "Nachhaltiges Wachstum setzt solide Finanzen voraus".

Merkel bedient sich übrigens schon seit dem Jahr 2006 des Video-Podcastings. Ihr Format heißt "Die Kanzlerin direkt". Mehr als 100 Folgen gibt es bereits, in denen sich Merkel durchaus auch über Europa auslässt. Ein Beitrag vom November 2011 trug etwa den Titel "In Europa müssen alle ihre Hausaufgaben machen". Sie verstehe schon, "wenn manch einer fragt: Wie geht es weiter?", so Merkel damals. Aber zum Pessimismus bestehe kein Anlass. Noch Erklärungsbedarf?

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