Berlin Gaming: Vom Spiel zum Ernst

Berlin / DPA 26.07.2016
Nach jedem Amoklauf wird über Videospiele diskutiert. Experten halten ihren Einfluss für gering. Der IS nutzt Gaming aber als Anknüpfungspunkt für Jugendliche.

Der Amokläufer von München hat Counter-Strike gespielt und sich laut Polizei „wie in einem Computerspiel bewegt“. Der IS nutzt gewaltverherrlichende Games als Teil seiner Propaganda. Nun wird – wie schon nach früheren Amokläufen – über diese Spiele diskutiert.

Ein Verbot, wie es immer wieder gefordert wird, ist indessen nicht in Sicht. In einem freiheitlichen Rechtsstaat sei das „nicht der richtige Weg und wäre auch schwer umzusetzen“, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Die Gaming-Industrie ist ein Milliardengeschäft, dazu tragen auch Computerspiele mit Gewaltdarstellungen bei. Nach einer Studie des Medienpsychologen Rudolf Weiß aus dem Jahr 2013 spielen 62 Prozent der männlichen Achtklässler Mainstream-Shooter. Die Risiken sind umstritten. Weiß sagt: „Diese Spiele tragen im großen Umfang zur Verrohung der Gesellschaft bei – aber es ist vermessen, zu sagen, dass aus jedem Spieler ein Attentäter wird.“ Er verweist auf eine US-Studie der State-University Ohio, wonach durch ausgeprägten Konsum Empathiefähigkeit abnehmen und Gewaltbereitschaft zunehmen kann.

In der Propaganda bedient sich der IS auch alltäglicher Mittel der Jugendkultur, etwa aus den Bereichen Hip-Hop oder Gaming. Nach Angaben der länderübergreifenden Stelle jugendschutz.net nutzt er etwa das beliebte Spiel „Grand Theft Auto“ als Anknüpfungspunkt. In gleicher Optik werden Kriegsszenen aus der Perspektive eines Dschihadisten nachgespielt. Weiß spricht von einer „medialen Gehirnwäsche“. So locke der IS mit dem Slogan: „Was ihr virtuell auf euren Computer spielt, könnt ihr bei uns live tun.“