Leitartikel Ellen Hasenkamp zum Eklat beim G7-Gipfel G7-Eklat: Trump gegen den Rest der Welt

 Ellen Hasenkamp Autorenfoto
Ellen Hasenkamp Autorenfoto © Foto: Marc Hörger
La Malbaie / Ellen Hasenkamp 11.06.2018

Da waren es nur noch sechs. Sollte es noch Zweifel gegeben haben, hat US-Präsident Donald Trump mit seiner Twittertirade aus 10 000 Metern Höhe für Klarheit gesorgt: Die Die G7 sind keine Gruppe der Sieben mehr. Die vor mehr als 40 Jahren begründete Wertegemeinschaft wird pulverisiert durch eine präsidentielle Kurznachrichten-Salve. Es ist der Blattschuss für unsere Nachkriegsordnung.

Vollkommen überraschend allerdings kommt die Erkenntnis nicht, dass mit Trump die Zeit des gepflegten Konsens vorbei ist. Bereits nach dem schwierigen Gipfel in Italien vor einem Jahr hieß es: G6 plus eins. Oder G7 minus eins. Oder auch: Einer gegen alle.

Das Verrückte ist, diese Beschreibung klingt in Trumps Ohren nicht wie eine Niederlage, sondern wie die zutreffende Darstellung der Weltlage. Er sieht die Supermacht USA einschließlich ihrer Atomraketen und Apple-Algorithmen als Opfer einer Art wirtschaftlichen Weltverschwörung. Und aus dieser Wut des gefühlten Außenseiters schöpfen er und seine Anhänger ihre Kraft. Auch das ist nicht wirklich neu. Ein Gegenmittel oder auch nur eine angemessene Art des Umgangs damit aber haben die übrigen sechs Länder noch nicht gefunden.

Sie agieren bislang weiter im Rahmen erprobter Rituale. Dazu gehört das Winken beim Familienfoto ebenso wie der Textbaustein „freier Welthandel“, der jahrelang mal ein bisschen weiter vorne und mal ein bisschen weiter hinten in den G7-Texten auftauchte, ansonsten aber keinen Ärger machte.

 Das ist vorbei. Trump will Amerika wieder groß machen, indem er vor allem Mauern und Schranken rund um sein Land groß macht. An eine Politik des internationalen Interes­sens­ausgleichs – Multilateralismus genannt – glaubt er nicht; er glaubt an America First. Den Klimawandel hält er für Quatsch, das Atom-Abkommen mit Iran für nutzlos.

Von dieser Haltung konnten ihn die übrigen Gipfelteilnehmer auch in La Malbaie nicht abbringen. Wo Kanadier, Japaner und Europäer mit Zahlen und Fakten argumentierten, antwortete Trump mit Vorwürfen und Verstimmung. Er kam als letzter, ging als erster und schickte dann die Kündigung aus der Luft.

Was nun also? Russland wieder in den Kreis der Wirtschaftsnationen holen, wie es Trump provozierend zum Gipfelauftakt in Kanada vorgeschlagen hatte? Nein, das Land hatte sich im Rahmen der damaligen G8 bereits im Syrien-Krieg eher als Gegner denn als Partner erwiesen und sich spätestens mit der Annexion der Krim selbst aus dem Kreis der Wertegemeinschaft katapultiert.

Zu dieser Wertegemeinschaft gehören die USA aber immer noch dazu – trotz allem. Und Russland oder auch China eben nicht. Ausweiten ist also keine Lösung für die Gipfelfrage, Aussetzen aber auch nicht. Zumindest die verbliebenen sechs sollten am nächsten Treffen im französischen Biarritz festhalten. Womöglich wird auch Trump dann dabei sein wollen – wer weiß das schon?

leitartikel@swp.de

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