Kommentar Mathias Puddig zum digitalen Erben Fürs digitale Erben braucht es ein Gesetz

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Berlin / Mathias Puddig 13.07.2018

Nur wenige Dinge können Eltern so sehr aus der Bahn werfen wie der Tod des eigenen Kindes. Niemals wird solch ein Verlust verstanden werden – trotzdem werden Mütter und Väter alles tun, um es zu versuchen. Dass Eltern einer 15-Jährigen jetzt Zugriff auf das Facebook-Konto ihrer Tochter bekommen, wirkt wie eine Selbstverständlichkeit. Schließlich hätte auch niemand die Eltern hindern können, durchs Tagebuch oder die Briefe ihrer Tochter zu blättern. Doch auch wenn es so wirkt: Durch die BGH-Entscheidung herrscht mitnichten Klarheit.

 Denn juristisch gesehen ist die Regelung digitaler Nachlässe immer noch Neuland. Wie sollten beispielsweise E-Mail-Konten behandelt werden? Wird den Erben kein Zugang gewährt, bekommen sie riesengroße Schwierigkeiten mit der Regelung auch des analogen Erbes. Das kann richtig teuer werden. Dürfen sie aber in den Mails des Toten stöbern, ist die Gefahr groß, dass sie Dinge erfahren, die sie nicht erfahren sollen. Jeder sollte ein Recht auf Geheimnisse haben, auch die Toten. Der ungehinderte Blick ins E-Mail-Postfach  kann übrigens auch für die Erben selbst sehr schmerzhaft werden.

 Die Liste der Probleme ist lang: Was ist mit juristisch relevanten Daten, die im digitalen Gerümpel übersehen werden? Welche Formen der digitalen Trauer sind zulässig, welche gehen zu weit? Appelle, das Thema im Testament zu regeln, werden nicht reichen, solange die Politik nicht selbst aktiv wird, werden Gesetze aus der vordigitalen Zeit irgendwie aufs Digitale angewendet – mit unklarem Ausgang. Bei einem derart grundsätzlichen Thema wie dem Tod braucht es aber eine Debatte und den politischen Willen, aktiv zu gestalten.

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