Der Tod ihrer Kinder sollte nicht umsonst gewesen sein: Hardy Schober und Gisela Mayer gründeten mit anderen nach dem Amoklauf ein Aktionsbündnis, das sich heute "Stiftung gegen Gewalt an Schulen" nennt. Beide hatten eine Tochter bei der Bluttat verloren - Jana Schober (15) war Schülerin, Nina Mayer (24) arbeitete als Referendarin an der Albertville-Realschule. Heute ziehen die Eltern eine kritische Bilanz: Auch wenn seither manches geschehen ist, liege noch allzu vieles im Argen. "Wären unsere Forderung nach dem Verbot großkalibriger Waffen und einer zentralen Lagerung von Schusswaffen damals umgesetzt worden, könnten 45 Menschen noch am Leben sein", sagt Vorstandsvorsitzender Schober, denn so viele Menschen seien seit März 2009 in Deutschland mit Schusswaffen aus legalem Besitz getötet worden. Die Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" zählt sogar mehr als 50 Opfer.

Großkalibrige Waffen seien fürs Militär und nicht für Sportschützen gemacht, betont Schober. Durch sie erhöhe sich die Zahl der Opfer bei Gewalttaten. Im nordrhein-westfälischen Emsdetten, wo ein Amokschütze im November 2006 ein abgesägtes Kleinkalibergewehr verwendet habe, hätten alle Angeschossenen überlebt, macht Schober deutlich.

Zwar war im Juli 2009 das Waffenrecht verschärft worden, doch nach Ansicht Schobers nicht weitreichend genug. Damals wurde die Altersgrenze für das Schießen mit großkalibrigen Kurzwaffen von 14 auf 18 Jahre heraufgesetzt. Waffenkontrollen wurden erleichtert, die Strafen erhöht. Seit 2013 gibt es ein zentrales deutsches Waffenregister. Darin sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums 1,5 Millionen Menschen und 5,5 Millionen Waffen gespeichert. Laut Stuttgarter Innenministerium sind derzeit im Südwesten rund 150 000 Waffenbesitzer und 700 000 Waffen registriert. Zur Zeit der Amoklaufs waren es noch rund 900 000 Waffen. Allein in den ersten drei Jahren nach der Bluttat wurden laut Regierungspräsidium Stuttgart 135 000 Waffen abgegeben. "Die Kampfmittelbeseitigungsdienste sind mit dem Verschrotten nicht mehr hinterhergekommen", sagt Christoph Palm, Vorsitzender des damaligen Landtags-Sonderausschuss Amoklauf.

Stillstand herrscht laut Schober bei brutalen Computerspielen, so genannten Ego-Shootern, wie sie der Winnender Amokläufer Tim K. und andere Gewalttäter vor ihren Taten verwendet hatten. Schärfere Vorgaben für solche Spiele sind laut Schober kaum durchzusetzen. "Da haben wir so gut wie keine Erfolge. Die Lobby ist zu stark." Diesen Eindruck bestätigt Michael Gomolzig, Sprecher der Lehrerorganisation VBE: "Wenn man etwas gegen die Spiele sagt, gibt es gleich einen Aufschrei."

Bei der Gewaltprävention hingegen "hat sich eine ganze Menge getan", sagt Gisela Mayer. Grün-Rot habe die Zahl der Schulsozialarbeiter im Land spürbar erhöht. In diesem Jahr soll sie auf 1500 steigen. Auch Schulpsychologen gebe es deutlich mehr als vor dem Amoklauf. Derzeit würden Gespräche darüber geführt, wie man mit der Gewaltprävention schon in Kindergarten und Grundschule ansetzen könne, sagt Mayer. Kultusminister Stoch (SPD) betont: "Wir wollen starke Schulgemeinschaften."