Kommentar Früher wäre besser gewesen

MOZ-Redakteur Michael Gabel
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MOZ-Redakteur Michael Gabel Autorenfoto 2016 MOZ © Foto: moz
Berlin / Michael Gabel 20.09.2017

Merkwürdig ist es schon: Kurz vor der Bundestagswahl stellt Fami­lienministerin Katarina Barley (SPD) Pläne zur Besserstellung von Trennungsvätern vor. Als wäre das Problem, dass frisch getrennte oder geschiedene Väter zwar alle möglichen Pflichten, aber vergleichsweise wenige Rechte haben, nicht längst bekannt. Klar, es ist Wahlkampf. Da macht jeder noch einmal so gut auf sich aufmerksam, wie er kann. Barley ist zwar erst seit dreieinhalb Monaten im Amt. Besser wäre es aber gewesen, das Ministerium hätte die Ideen zur Aufwertung der Väterrolle schon viel früher präsentiert.

 Die Vorschläge der Ministerin gehen jedenfalls in die richtige Richtung. So ist es gut, Trennungsväter steuerlich zu entlasten, denn viele engagieren sich in der Kindererziehung genauso wie Väter, die bei der Familie leben. Und manche haben sogar höhere Kosten, weil sie eine Zweitausstattung für das Kind finanzieren müssen. Ebenso sinnvoll ist der Vorschlag, dass getrennt lebende Eltern zur Mediation verpflichtet werden. Beratungsgespräche unter professioneller Anleitung können dazu beitragen, Wut und Hass der früheren Partner zu kanalisieren. Und das ist vor allem im Interesse der Kinder sehr wichtig, die am meisten unter einer Trennung leiden.

Nur darf es nicht passieren, dass unter den zusätzlichen Väterrechten die Mütter leiden müssen. Barleys Vorschläge erscheinen in dieser Hinsicht jedoch ausgewogen. Was den Vätern an zusätzlichen Mitteln gegeben würde, wäre Sache des Staates und nicht der Mütter. Nur wie und ob das Konzept der Ministerin umgesetzt wird, das ist so offen wie der Ausgang der Wahl.