Mehr Geld für Bildung – klingt super. Wenn SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz also ankündigt, im Falle seines Wahlsieges zwölf Milliarden Euro Bundesgeld in Schulen zu stecken, kann er sich des Beifalls sicher sein. Schließlich will jeder für Kinder nur das Beste, und wofür sonst sollte ein rohstoffarmes Land, dessen Wohlstand vom Bildungsniveau der Bürger abhängt, auch sinnvoller Geld ausgeben?

Noch dazu begründet Schulz den Vorstoß mit einer zutreffenden Analyse von Schwachstellen: Etliche Schulen sind sanierungsbedürftig, die Ausstattung ist, besonders im digitalen Bereich, vielerorts verbesserungsfähig, die Abschlüsse unterscheiden sich erheblich, und Bildungschancen hängen zu stark vom Elternhaus ab.

Schulz hat also recht: Deutschland sollte kräftig in Bildung investieren. Trotzdem ist der SPD-Plan problematisch. Wenn der Bund den Ländern Geld gibt, will er im Gegenzug etwas, und sei es nur die Kontrolle darüber, dass das Geld dem verabredeten Zweck zugeführt wird. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, trotzdem ist das Streben nach einem bundesweit zentral gesteuerten Schulsystem, das letztlich hinter der Parole „Abschaffung des Kooperationsverbots“ steht, nicht zwangsläufig der Weg zum Erfolg.

Bildung ist in Deutschland Ländersache, das ist kein Selbstzweck, sondern ein sinnvoller Verfassungsgrundsatz. Man muss nicht das Schreckgespenst Nazi-Zeit herauskramen, um zu begründen, dass Bildungsföderalismus Sinn macht. Deutschland ist kein einheitlicher Zentralstaat, sondern ein vielfältiger, kulturell facettenreicher Bundesstaat.

Erfreulicher Weise ist nicht mal innerhalb der Länder alles gleich. Beispiel Fremdsprachen: In Baden-Württemberg etwa lernen Kinder, die am Rhein aufwachsen, als erstes Französisch, die anderen Englisch. In Brandenburg besteht mehr Bedarf an Polnisch-Unterricht als in Hessen.

Warum sollte Zentralsteuerung aus Berlin zu besseren Ergebnissen führen als föderaler Wettstreit? Bereits jetzt spricht man sich in der Kultusminister-Konferenz ab, doch am Ende macht jedes Land seine Schulpolitik. Gut so! Aus Eigenheiten entsteht fruchtbare Konkurrenz. Ein Beispiel: Die Schulpolitik im Südwesten galt mal als besonders stark, heute sind andere besser und seit Neuestem orientiert sich das CDU-regierte Ministerium an Reformen, die einst norddeutsche SPD-Regierungen einführten. Das ist klug, weil pragmatisch.

Abgesehen davon verbietet das Kooperationsverbot dem Bund nicht jede Hilfe. Bereits jetzt gibt Berlin Milliarden für Schulsanierungen in armen Kommunen. Damit hat niemand ernsthaft ein Problem, Häuser renovieren ist keine Schulpolitik. Dieses Modell kann auch im Bereich Digitalisierung als Vorbild dienen, eine der bundesweit größten Aufgaben.

Das Beispiel ist überhaupt lohnend. Voriges Jahr versprach Bundes(!)-Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) sechs Milliarden Euro für die Ausstattung der deutschen Schulen mit Digitalgerät. Wanka bekam für ihren Vorstoß viel Applaus. Geflossen aber ist bisher kein einziger Euro.

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