Washington Front bröckelt

Washington / PETER DE THIER 28.02.2014
In den USA war bis Mitte der siebziger Jahre jede Form von Sterbehilfe verpönt. Doch die Front bröckelt, drei Staaten lassen bereits Ausnahmen zu.

Etwa drei Viertel aller Amerikaner vertreten die Ansicht, dass ein unheilbar kranker oder leidender Mensch das Recht haben sollte, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Die aktive Sterbehilfe ist in allen Bundesstaaten verboten, doch drei von 50 US-Staaten haben Regelungen für ärztlich assistierten Freitod geschaffen. Bis in die 1970er Jahre war schon aus religiösen Gründen auch diese Form der Sterbehilfe undenkbar und nicht durchsetzbar.

1975 aber wurde eine große Debatte losgetreten durch das tragische Schicksal der 22-jährigen Karen Ann Quinlan, die nach der Einnahme einer Kombination aus Schmerz- und Schlaftabletten sowie Alkohol in ein Koma fiel. Nachdem monatelang sämtliche Wiederbelebungsversuche scheiterten, verlangten Quinlans Eltern die Einstellung der künstlichen Beatmung. Das wurde vom Krankenhaus aber verweigert. Die junge Frau lebte neun Jahre lang in einem permanent vegetativen Zustand (wach, aber reaktionslos) und starb 1984 nach einer Lungenentzündung.

Es dauerte weitere neun Jahre, bis Oregon als erster Staat das sogenannte "Tod mit Würde"-Gesetz mit hauchdünner Mehrheit verabschiedete. Es erlaubt Sterbehilfe unter der strikten Aufsicht eines Arztes. 2008 legalisierte dann der ebenfalls als politisch liberal geltende Nachbarstaat Washington sogenannte PAD ("Physician aid in dying")-Tode. Sie setzen voraus, dass ein Arzt dem Patienten Betäubungsmittel und eine tödliche Dosis von Medikamenten verabreicht.

Seit 2013 ist Sterbehilfe auch in Vermont erlaubt, geleistet ebenfalls ausschließlich von einem Arzt. Texas führte bereits 1999 sogenannte "passive Euthanasie" ein. Danach ist es erlaubt, künstliche Beatmung und Ernährung einzustellen, wenn diese als "aussichtslos und unangemessen" eingestuft werden.

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