Friedensnobelpreis Friedensnobelpreis für den Kampf gegen das nukleare Inferno

Erst geschockt, dann überglücklich: Ican-Direktorin Beatrice Fihn gestern in Genf.
Erst geschockt, dann überglücklich: Ican-Direktorin Beatrice Fihn gestern in Genf. © Foto: dpa
Genf / Jan Dirk Herbermann 07.10.2017

Der Kampf gegen das nukleare Inferno findet in einem unansehnlichen Beton-Komplex statt. Das graue Gebäude steht am Rande der Schweizer Diplomaten-Stadt Genf. Hier streitet die Internationale Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen (Ican) für ihr hehres Ziel. Am Freitag erhielten die Aktivisten den Lohn für ihr Engagement. Sie werden mit dem Friedensnobelpreis 2017 ausgezeichnet. Die Begründung: Die Kampagne setzt sich energisch für den Internationalen Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen ein. Erst im Juli hatten sich 122 Staaten auf den Pakt geeinigt.

„Es waren einige verrückte Stunden seitdem wir den Anruf erhielten“, brachte Ican-Direktorin Beatrice Fihn atemlos bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz hervor. „Ich war geschockt. Zuerst wusste ich nicht wie ich das ganze bewältigen soll“, sagte die 34-jährige Schwedin und strahlte über das ganze Gesicht.

Doch sie wurde sehr schnell ernst. „Nukleare Waffen bringen keine Sicherheit und keine Stabilität, im Gegenteil“, sagte sie mit Blick auf die Krise um Nordkoreas Atomwaffenprogramm. Das gefährliche Kräftemessen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verdeutliche zurzeit, wie überlebenswichtig die totale nukleare Abrüstung für die Menschheit ist.

Fihn steuert ihren Teil dazu bei: In ihrem winzigen Büro koordiniert sie mit wenigen Getreuen die Arbeit von Ican, einer Bewegung mit 468 Partner-Organisationen in 100 Ländern. Prominente wie der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu oder Ex-UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kämpfen Seite an Seite mit ihnen. Die Rüstungsgegner organisieren Kampagnen, Demonstrationen und Mahnwachen: Ican globalisiert den Kampf gegen die Atomwaffen. Diejenigen Regierungen, die wie die deutsche dem Atomwaffenverbotsvertrag fern stehen, geraten schnell in ihr Visier. Trotz „ihres vollmundigen Bekenntnisses zu einer atomwaffenfreien Welt“ boykottiere die Merkel-Regierung den Pakt, schimpfen die Ican-Strategen.

Der Anti-Nuklearpakt leidet unter einem entscheidenden Manko: Alle neun Staaten mit Atomwaffen verweigern sich, zusammen horten sie rund 15 000 Sprengköpfe. Am eindringlichsten macht die Militärmacht mit dem stärksten Atomwaffenarsenal, die USA, gegen den Vertrag mobil. „Dieses Abkommen ist einfach schlecht“, urteilte der US-Abrüstungsbotschafter bei den Uno, Robert Wood. Auf Druck der USA lehnen alle übrigen Nato-Mitglieder den Pakt ab.

Die Rüstungsgegner verweisen hingegen auf die simple Gleichung, die dem Pakt zugrunde liegt: Keine Atombombe heißt kein Atomkrieg. Der Vertrag verbietet unter anderem den Einsatz, die Entwicklung, den Besitz und die Lagerung von Nuklearwaffen.

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