Türkei Freude über Haftentlassung von Mesale Tolu

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu ist gestern Abend nach mehr als sieben Monaten in U-Haft vorerst freigelassen worden. 
Die deutsche Journalistin Mesale Tolu ist gestern Abend nach mehr als sieben Monaten in U-Haft vorerst freigelassen worden.  © Foto: dpa
Istanbul / Gerd Höhler/dpa/ afp 19.12.2017

Nach mehr als sieben Monaten Untersuchungshaft in der Türkei kommt die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu frei. Am zweiten Verhandlungstag gegen Tolu hob das Istanbuler Gericht die Untersuchungshaft für die 33-jährige Deutsche und fünf weitere Inhaftierte auf. Tolu kommt nur unter strengen Auflagen frei: Sie darf die Türkei nicht verlassen und muss sich einmal pro Woche bei der Polizei melden. Der Prozess geht am 26. April weiter.

„Ich bin müde, aber glücklich“, sagte Tolu am Abend in der Kanzlei ihrer Anwälte in Istanbul. Sie äußerte die Hoffnung, dass nun auch der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel freigelassen wird. Tolu ist in Ulm geboren und aufgewachsen, sie arbeitete zuletzt für die kleine linksgerichtete Nachrichtenagentur Etha. Ihr und ihren Mit­angeklagten wird Mitgliedschaft in der linksextremen Terrororganisation MLKP vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück und fordern Freispruch. Vor zwei Wochen war auch Tolus Ehemann unter Auflagen aus türkischer U-Haft entlassen worden. Tolus zweijähriger Sohn ist ebenfalls in Istanbul.

Tolu war Ende April festgenommen worden. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) äußerte gestern „immense Erleichterung“ über die Aufhebung der Untersuchungshaft: „Damit ist das Verfahren noch nicht beendet, aber ein erster, großer Schritt ist damit gemacht.“

Zunächst hatte es am Abend noch Verwirrung um Tolus Status gegeben. Trotz der gerichtlich angeordneten Entlassung aus der U-Haft wurde sie auf einer Polizeiwache festgehalten. Tolus Anwältin Gülhan Kaya sagte, die Anti-Terror-Einheit der Polizei habe Tolus Abschiebung angeordnet. Zuvor hatte das Gericht aber das Ausreiseverbot  verhängt. Das habe auf der Wache zunächst für Irritationen gesorgt. Später konnte Tolu die Polizeistation dann aber in Begleitung ihrer Familie verlassen. (