Lieber Wolfgang,

mit heftigen Worten hast du dich gegen die schleichende schwäbische Invasion und Infiltration in der Hauptstadt zur Wehr setzen müssen - glaubst du.

Schon morgens beim Bäcker droht die Schwabengefahr in Form von "Wegga" und durch den bei uns so geliebten "Zwetschgadatsche". Es handelt sich dabei um Backkunstwerke. Die Berliner sollten froh sein über solche Köstlichkeiten, in Berlin gibt es ja sonst nur "Sättigungsbeilagen".

Die Schwabenhatz gibt es schon länger, und keiner weiß warum. Mangels Einheimischer ist Berlin groß und unsere Hauptstadt geworden. Viele, auch aus Schwaben, sind dorthin gezogen, stellen ihren Daimler vor die Haustür, renovieren die heruntergewirtschafteten Quartiere und Wohnungen, bringen Kultur, Geist und Geld in die Hauptstadt, kehren sogar die Straße. Laut einer Umfrage einer Berliner Tageszeitung wünschen sich 52 Prozent der Berliner die Einführung der Kehrwoche. Die Invasion ist also schon längst geglückt.

Mit der Sparsamkeit in Berlin hapert es noch, aber auch das kommt noch. Unsere friedliche, schwäbische Grundeinstellung wird auch noch Früchte zeigen, schließlich haben wir Schwaben, im Gegensatz zu den Preußen, kaum Kriege geführt, dafür aber die Gebäude- und Hausratsversicherung und den Bausparvertrag erfunden. Das freut doch auch die Berliner.

Wir bringen auch Innovation und Entdeckungen, denn schon unser erster, allzeit geschätzter Bundespräsident Theodor Heuss (Schwabe) stellte fest: "Nirgendwo sonst in Deutschland kommen mehr Begabungen auf einen Quadratkilometer als in Schwaben." Deshalb: Je mehr Schwaben auf einen Berliner Quadratkilometer kommen, desto besser klappt es mit der Zukunft.

Wir Schwaben neigen zum Philosophischen und Philosophen haben wir reichlich. Der Kollege Manfred Rommel hat dies auf den Punkt gebracht: " ,Auch wieder ist das philosophischste Wort in Schwaben (und bald auch in Berlin), weil es die größten Widersprüche in einen Zusammenhang bringt, nicht das präzise, aber meist falsche ,entweder - oder."

Deshalb schöne Grüße vom Neckar und von der Donau an die Spree mit einer abschließenden (schwäbischen) Quizfrage:

Was hat das zu bedeuten? Ein Mann mit zwei Kerzen steht vor dem Spiegel?

Antwort: Ein Schwabe, der den vierten Advent feiert.

Info Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) hat diese Worte an Bundestagsvize Wolfgang Thierse - ein Parteifreund Gönners - als offenen Brief formuliert.