Kommentar Michael Gabel zu den Freiwilligendiensten Freiwilligendienste umbauen statt ausbauen

Michael Gabel
Michael Gabel © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin / Michael Gabel 04.12.2018

Eine Milliarde Euro jährlich – es ist eine Menge Geld, das Familienministerin Giffey künftig in die Finanzierung der Freiwilligendienste stecken will. Große Ziele verfolgt sie damit: Sie will mehr Stellen schaffen und zugleich den Bufdis und den anderen das Taschengeld kräftig erhöhen. Die Dienste würden so sicherlich attraktiver. Doch bei einer Fast-Vervierfachung der Ausgaben stellt sich noch mehr als bisher die Frage: Sind die Freiwilligendienste das viele Geld wert, das sie kosten? Zweifel sind angebracht.

Gewiss: Viele junge Erwachsene nutzen die Zeit, um mit vollem Engagement im Altersheim Senioren zur Hand zu gehen oder bei Umweltprojekten kräftig mit anzupacken. Andere dagegen lassen es erheblich gemächlicher angehen, man will sich ja nach der anstrengenden Schulzeit nicht zu sehr stressen. Und es gibt auch Fälle, in denen sich Schulabsolventen in einer solchen Auszeit Klarheit erhoffen über Fragen wie: Will ich etwas mit Kindern machen? Oder liegt mir der Tierschutz doch besser? Natürlich sind solche Phasen der Selbstfindung wichtig – aber der Staat muss sie nicht fördern.

Statt die Freiwilligendienste auszubauen, sollten sie deshalb umgebaut werden. Giffeys Ansatz, vermehrt junge Menschen aus einkommensschwachen Familien und auch Flüchtlinge für die Teilnahme zu gewinnen, geht da in die richtige Richtung. Ihnen könnte ein soziales Jahr als Berufseinstieg dienen. Auf finanzielle Unterstützung durch die Eltern könnten diese Menschen natürlich nicht hoffen. Insofern ist die Idee der Familienministerin, das Taschengeld zu erhöhen, dann doch zu begrüßen. Aber nur für diesen eng begrenzten Personenkreis.

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