Gleichstellung Frauen leisten Gratis-Arbeit für fast eine Billion Euro

Berlin / Von Michael Gabel 22.06.2017
Ungleiche Chancen zwischen Frauen und Männern gehen auch auf die Verteilung unbezahlter Arbeit zurück, moniert der Gleichstellungsbericht.

Frauen leisten im Schnitt pro Tag 87 Minuten mehr Hausarbeit als Männer. Dies geht aus dem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung hervor, den Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) gestern vorgestellt hat. Diese Zahl mache deutlich, dass „es bei Belastungen und Chancen zwischen den Geschlechtern immer noch ungerecht zugeht“, sagte Barley. Nach Schätzungen liegt die durch unbezahlte Hausarbeit erzielte Wertschöpfung pro Jahr bei rund 1000 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im gesamten produzierenden Gewerbe sind es in Deutschland pro Jahr rund 800 Milliarden Euro.

Die Ministerin verwies dennoch auf Fortschritte, die bei der Gleichstellung von Mann und Frau in dieser Legislaturperiode erzielt worden seien. Sie nannte den Mindestlohn, der vor allem Frauen zugute komme, aber auch die Frauenquote in Aufsichtsräten großer Unternehmen und das im vergangenen Jahr beschlossene Gesetz, das gleichen Lohn für gleiche Arbeit vorschreibt. Nicht umgesetzt habe man das Rückkehrrecht von Teilzeit- in Vollzeitarbeit. „Das war mit unserem Koalitionspartner, der Union, nicht zu machen“, bedauerte die Ministerin.

Der Gleichstellungsbericht wird einmal pro Legislaturperiode von der Bundesregierung vorgelegt. Er soll Aufschluss darüber geben, inwieweit die im Grundgesetz geforderte Gleichstellung der Geschlechter durchgesetzt ist. Noch sei viel zu tun, sagte die Ministerin. Denn weiterhin verdienten Frauen im Lebensverlauf deutlich weniger Geld als Männer. Kontraproduktiv sei es, wenn Elternteile meinten, sich „für die Rolle des Ernährers beziehungsweise des Sorgenden“ entscheiden zu müssen.

Kritik an Barleys Bilanz kam von den Grünen. „Mit der Geburt des ersten Kindes trennen sich weiterhin die Welten von Männern und Frauen“, sagte die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt. Vor allem sei es „fatal, dass das Rückkehrrecht auf Vollzeit“ nicht beschlossen worden sei.