Kommentar Thomas Block zur Gerechtigkeit in der Gesellschaft Fragwürdige Privilegien für Stars

NBR Berlin. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net Berliner Redaktion, Kommentarfotos
NBR Berlin. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net Berliner Redaktion, Kommentarfotos © Foto: Thomas Koehler/photothek.net Tho
Berlin / Thomas Block 26.07.2018

Bei 35 Grad im Schatten lässt es sich gut über Dinge nachdenken, mit denen man eigentlich ganz zufrieden sein kann. Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland ist zum Beispiel ein solcher Positivaspekt. Hierzulande würden selbst die oberen zehn Prozent viel Wert darauf legen, dass es keine prekären Verhältnisse gibt, stellte Allensbach-Chefin Renate Köcher letztens fest. Überhaupt ist der Drang zur Gleichbehandlung relativ stark ausgeprägt. Auch Kinder reicher Familien gehen auf staatliche Unis, Privatschulen sind ebenso die Ausnahme wie Privatkliniken, private Wanderwege in den Alpen völlig undenkbar. Was die grundlegenden Dinge im Leben betrifft, werden in Deutschland alle mehr oder weniger gleich behandelt. Das ist schon ganz schön toll.

Dass sich die Band Depeche Mode mitten im Sommer in einem öffentlichen Schwimmbad eine Schwimmbahn ganz für sich alleine gemietet hat, ist ein gutes Bild dafür, wie es nicht laufen sollte. Da erkauft sich eine wohlhabende Einzelpartei einen Vorteil gegenüber der nicht so wohlhabenden Restgesellschaft, da lebt eine Elite ihre Privilegien zulasten aller aus.

Dieser Vorfall in einem Berliner Freibad zwischen acht und zehn Uhr morgens hat hohe Wellen geschlagen. Die Deutschen akzeptieren es offensichtlich nicht, wenn Privilegien erkauft werden können, und das ist gut so. Denn der gesellschaftliche Frieden hängt auch davon ab, dass es diese Räume der Gleichbehandlung gibt, die von den Regeln des Marktes ausgenommen sind.

Nun müssen wir nur noch dafür sorgen, dass es so bleibt. Auch bei 35 Grad im Freibad. Denn Gerechtigkeit fängt oft im Kleinen an.

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