Berlin/Karlsruhe Forschung in der Kritik

DPA/AFP/AC 26.11.2013
Das US-Pentagon vergibt Forschungsaufträge an deutsche Universitäten oder Institute - etwa zur Optimierung von Sprengstoff oder Panzerglas. Das sorgt für Diskussionen.

Seit dem Jahr 2000 soll das US-Verteidigungsministerium mehr als zehn Millionen Dollar (7,4 Millionen Euro) für Rüstungs- wie Grundlagenforschung an 22 deutsche Forschungseinrichtungen ausgegeben haben, berichten der Norddeutsche Rundfunk und die "Süddeutsche Zeitung". Allein die Universität München soll vom US-Pentagon 2012 mehr als 470 000 Dollar erhalten haben, um Sprengstoffe zu verbessern.

Auch viele Einrichtungen im Südwesten erhielten Geld. Das "US Naval Air Warfare Center" (Zentrum für Kriegsführung der Marine und der Luftwaffe) finanzierte ein Geothermie-Projekt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), bestätigte eine KIT-Sprecherin. Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik erhielt Geld für Forschung zu Panzerglas und Sprengköpfen. An der Universität Ulm werden zwei Forschungsvorhaben von einer dem US-Verteidigungsministerium angegliederten Behörde mit mehr als 200 000 US-Dollar gefördert. An der Universität Stuttgart waren 2008 für ein Projekt zum Thema Optik 80 000 US-Dollar geflossen.

Das Bundesverteidigungsministerium gibt eigenen Angaben zu Folge jährlich 900 Millionen Euro für Forschungsvorhaben aus. An deutsche Hochschulen seien im Schnitt der letzten Jahre Aufträge mit einem Volumen von zehn Millionen Euro pro Jahr vergeben worden.

Den Berichten zu Folge ist Geld des US-Militärs auch an Universitäten geflossen, die sich durch eine Zivilklausel zur friedlichen Forschung verpflichtet haben. Laut der Initiative "Ja zur Zivilklausel" haben derzeit 14 Universitäten in ihren Statuten festgelegt, nur Forschungen zur friedlichen Nutzung zu betreiben. Darunter sind Hochschulen wie die TU Berlin oder Tübingen.

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, forderte die Hochschulen auf, Transparenz über ihre Drittmittelprojekte herzustellen. "Nur die Offenlegung der vertraglichen Eckdaten ermöglicht den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs über die ethische Bewertung der Forschungsprojekte", sagte Gehring. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte gestern eine Zivilklausel für Brandenburgs Hochschulen, um Forschungsförderung durch Unternehmen und Institutionen aus Rüstung und Militär zu verhindern. Mit der Einführung einer solchen Klausel im Hochschulgesetz könnten die Universitäten gezwungen werden, keine Drittmittel aus diesen Quellen einzuwerben.

Das Wissenschaftsministerium in Stuttgart lehnt eine solche Zivilklausel für die Hochschulen im Südwesten ab. Diese würde gegen das Recht auf Wissenschaftsfreiheit verstoßen, sagte ein Ministeriumssprecher der SÜDWEST PRESSE. Die Landesregierung setze hingegen darauf, in Baden-Württemberg die Transparenz in der Drittmittelforschung zu erhöhen.

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