Berlin / Ellen Hasenkamp

Nach der jüngsten Pannen-Serie ist ein Regierungsflieger nun buchstäblich an einem Unglück vorbeigeschrammt. Bei der Notlandung auf dem Berliner Flughafen Schönefeld habe es „Bodenberührung beider Tragflächen“, teilte die Luftwaffe mit. „Eine kontrollierte Landung war nicht mehr möglich.“ Die Global 5000 hatte außer der Crew keine Passagiere an Bord; das Team blieb äußerlich offenbar unverletzt, wurde aber zur weiteren Betreuung ins Bundeswehrkrankenhaus gebracht.

Wie dramatisch das Ganze war, geht auch aus der Reaktion von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hervor: Die Besatzung habe „den Jet unter schwierigsten Bedingungen zu Boden“ gebracht und so „Schlimmeres verhindert“, erklärte sie. „Jetzt muss die Ursache der technischen Probleme zügig aufgeklärt werden.“

Maschine muss umdrehen

Die Maschine kam gerade aus einer Routine-Wartung durch die Herstellerfirma Bombardier und sollte zurück zum Standort Köln-Bonn geflogen werden. Wie bei solchen Erstflügen nach Instandsetzungen üblich, habe der als „sehr erfahren“ beschriebene Pilot zunächst eine Runde über den Flughafen gedreht, dabei seien die „massiven Probleme“ aufgetreten, weshalb er umgehend wieder gelandet sei. Bei der Landung sei die Maschine dann - wie schon zuvor in der Luft - unkontrolliert um die Längsachse gekippt, berichtete „Spiegel Online“ unter Berufung auf erste Ermittlungen der Luftwaffe.

Die beschädigte Maschine blockierte dort rund zwei Stunden lang die Landebahn, der übrige Flugverkehr kam zeitweise zum Erliegen.

Kritik an der Flugbereitschaft

Die Opposition beklagte die nicht abreißenden Probleme der Flugbereitschaft. Die Grünen-Sicherheitspolitikerin Agnieszka Brugger forderte in dieser Zeitung umfassende Aufklärung. „Es verbietet sich, irgendwelche voreiligen Schlüsse zu ziehen oder wild zu spekulieren“, mahnte sie. Ministerin von der Leyen müsse aber unabhängig von dem jüngsten Vorfall die Frage beantworten, „warum es in ihrem Verantwortungsbereich dauernd zu Pannen und Problemen kommt“.

Der FDP-Verteidigungsexperte Marcus Faber ging noch einen Schritt weiter: Er machte das „politische Personal“ für die Misere verantwortlich und forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sich „nach Ersatz umzuschauen“. Die Pannenserie bei der so genannten Weißen Flotte sei peinlich und sorge für einen „Gesichtsverlust Deutschlands“. Zudem seien die Probleme der Flugbereitschaft „eindeutige Symptome der mangelnden Einsatzbereitschaft der Bundeswehr beziehungsweise der Luftwaffe“.

Immer wieder Pannen

Die Flugbereitschaft hat 14 teils recht alte Flugzeuge, die für Flüge von Kabinettsmitgliedern oder des Bundespräsidenten eingesetzt werden. Zuletzt gab es immer wieder Pannen bei Auslandsreisen deutscher Politiker. Die schwerste betraf Kanzlerin Merkel Ende November, als sie mit dem Regierungsflieger „Konrad Adenauer“ auf dem Weg zum G20-Gipfel in Argentinien war. Ein defektes Bauteil - eine zentrale Schalteinheit der Bordelektronik - hatte gleich zwei Funksysteme lahmgelegt, die sich im Notfall gegenseitig ersetzen sollen. Der in Berlin gestartete Flieger musste umkehren und wurde auf den Flughafen Köln/Bonn geleitet. Von der Leyen gab im Februar die Beschaffung von drei neuen Langstreckenmaschinen in Auftrag.

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