Lampedusa / BETTINA GABBE  Uhr
In Italien ist ein Video aufgetaucht, das zeigt, wie erniedrigend Flüchtlinge im Lager Lampedusa behandelt werden. Die EU droht mit Konsequenzen.

Die menschenunwürdige Behandlung von Flüchtlingen in einem italienischen Aufnahmelager sorgt erneut für Empörung. Zwei Monate nach den jüngsten Flüchtlingsunglücken mit hunderten Toten vor der Insel Lampedusa ist ein Video aufgetaucht. Es zeigt, wie Menschen im Lager Lampedusa nackt im Freien Schlange stehen, um aus einem Schlauch mit einem Benzin-Derivat abgesprüht zu werden - als Behandlung gegen Krätze.

Ein syrischer Insasse des Lagers hatte den Vorgang mit seinem Handy aufgenommen und dem italienischen Rundfunk zugespielt. Wie Tiere würden die Menschen behandelt, beklagte der Mann, dessen Gesicht zum Schutz seiner Identität unkenntlich gemacht wurde.

Die Lagerleitung wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Behandlung als gängig. Das Abspritzen mit benzinähnlicher Flüssigkeit diene dem Schutz der Betroffenen. Stellwände schützten diese überdies vor fremden Blicken. Italiens Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin betonte dagegen, die medizinische Behandlung der Flüchtlinge sehe nicht vor, sie nackt mit Desinfektionsmittel zu besprühen.

Die Staatsanwaltschaft von Agrigent hat indes Ermittlungen wegen Nötigung aufgenommen. Italiens Ministerpräsident Enrico Letta versprach eine eingehende Untersuchung des Vorfalls. Der für Flüchtlingslager zuständige Innenminister Angelino Alfano sagte, er wolle die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, sagte, sie fühlte sich durch das Video an Konzentrationslager der Nazis erinnert.

Druck kommt zudem aus Brüssel: EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström sagte, sie sei geschockt und drohte Italien mit einem Vertragsverletzungsverfahren, sollte sich herausstellen, dass internationale Mindeststandards nicht eingehalten werden.

Italiens Flüchtlingslager sind chronisch überbelegt. In dem betroffenen Aufnahmezentrum auf der vor der tunesischen Küste gelegenen italienischen Insel Lampedusa teilen sich derzeit 500 Menschen 250 Plätze.

Krätze-Infektionen tauchen auch in deutschen Altenheimen immer wieder auf. Dort werden Betroffene mit Creme behandelt, ohne dabei die eigenen Zimmer zu verlassen.