Alles lief wie am Schnürchen: Ankunft um 17 Uhr im Hubschrauber, Fahrt zum Marktplatz, Plausch mit Landeschef Thomas Strobl und CDU-Wahlkreiskandidat Norbert Barthle. Bei Sonnenschein richtete Kanzlerin Angela Merkel ihre dreiviertelstündige Rede an 500 Großkopferte im inneren Sicherheits-Ring und an tausende Zuhörer ringsum.

Ein routinierter Event, wäre da nicht Richard Arnold gewesen. Der Oberbürgermeister und unkonventionelle Christdemokrat hatte Gäste eingeschleust: sieben Flüchtlinge, die in Gmünd untergebracht sind und im Rathaus jobben. Sie waren nicht auf Autogramm, Handshake und Fähnchen aus. Sie wollten über ihre Lage sprechen, obwohl die Limousine schon mit laufendem Motor für die Rückfahrt zum Hubschrauber wartete.

Die Nöte, die Flüchtlinge auch in München, Berlin und Stuttgart angeprangert haben und weiter anprangern, kennt Arnold. Asylbewerber hatten Ende 2012 vor seinem Rathaus campiert und protestiert. So setzten sich Stadt, Ostalbkreis und Flüchtlinge zusammen und beschlossen einen Zwölf-Punkte-Plan etwa über dezentrale Unterbringung, Geld- statt Sachleistungen und bessere Wohnverhältnisse.

Hinsichtlich der Jobchancen versprachen Stadt und Kreis, sich ins Zeug zu legen - was Probleme bescherte. Das Projekt, Flüchtlinge während des Umbaus des Gmünder Bahnhofs als Kofferträger einzusetzen, provozierte eine Empörungswelle im Netz mit Rasissmus-Vorwürfen. Flugs kündigte die Bahn die Kooperation auf - zum Entsetzen von Stadt, Kreis und Flüchtlingen.

Ein Rückschlag, der Widerhall in Berlin fand - und wohl der Kanzlerin nicht verborgen blieb. Jedenfalls lauschte sie den Worten der Flüchtlinge und sprach Mut zu. "Merkel will über mögliche Änderungen im Umgang mit Flüchtlingen nachdenken", sagte Arnold im Anschluss. Landrat Klaus Pavel ergänzte: "Sie nimmt das Thema ernst."

Das kann sie beweisen, wenn sie zurück in Berlin ist. Dort in Hellersdorf machen derzeit Anwohner Stimmung gegen ein Flüchtlingsheim - ungeachtet aller Nöte der Bewohner. Diesen Flüchtlingen Mut zuzusprechen, wäre ein starkes Zeichen. Gerade zu Wahlkampfzeiten.