Ulm Fehlendes Brandschutzkonzept: Neubaustrecke Stuttgart-Ulm droht Stopp

Ulm / DIRK HÜLSER 28.06.2013
Ein fehlendes Brandschutzkonzept könnte das vorläufige Aus für die Schnellbahntrasse Stuttgart-Ulm bedeuten. Womöglich wird die Baustelle stillgelegt.

Seit gut zwei Wochen sprengen sich die Tunnelbauer der Bahn schon durch die Alb bei Hohenstadt (Kreis Göppingen). Täglich dringen sie tiefer in den Berg vor, der Steinbühltunnel soll 4,8 Kilometer lang werden. Am 19. Juli wird hoher Besuch auf der Baustelle erwartet: Bahnchef Rüdiger Grube kommt mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zum verspäteten offiziellen „Tunnelanschlag“. Doch womöglich gibt es an diesem Tag gar nichts mehr zu feiern.

„Bevor Grube kommt, wird die Baustelle vielleicht schon eingestellt“, sagt der Göppinger Kreisbrandmeister Michael Reick. Denn obwohl im Planfeststellungsbeschluss gefordert, gibt es noch immer kein Brandschutzkonzept für die Tunnelbaustelle und kein Fachpersonal. Und das ist ab einem Vortrieb von 200 Metern zwingend erforderlich. Vor einer Woche waren die Tunnelbauer der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg (ATA) 86 Meter in den Berg vorgedrungen, am Freitag waren es schon 140 Meter, berichtet Reick.

„Ich habe der ATA heute gesagt, wir brauchen dringend ein Gespräch“, sagte Reick am Freitag. Denn tief im Berg drin sind die kleinen Freiwilligen Feuerwehren nicht mehr in der Lage, im Notfall zu helfen. Deshalb meint Reick: „Die Vorhabenträgerin muss eine Gruben- und Rettungswehr stellen. Die haben aber keine Wehr.“

Verantwortlich für den Brandschutz und die Arbeitssicherheit auf der Baustelle ist die Landesbergdirektion in Freiburg. Allein sie kann die Bauarbeiten auch einstellen. Aus der Behörde verlautet, ein Baustopp sei denkbar, „sollte es in der Tat nicht gelingen, rechtzeitig ein tragfähiges Konzept vorzulegen“. Der kritische Punkt seien jene 200 Meter Vortrieb, die „mit üblichem Equipment und üblicher Ausbildung noch beherrscht werden können“. Auch in Freiburg sind die Beamten nicht glücklich über die Vorgehensweise der Bauherren: „So ein Konzept erstellt man eigentlich vorher.“ Allerdings heißt es auch: „Die Stilllegung der Baustelle ist das allerletzte Mittel.“

Die Bahn äußert sich zu dem Vorgang lediglich in einer kurzen E-Mail, unter anderem schreibt ein Sprecher: „Bei Tunnelbauten werden alle nationalen Vorgaben für unterirdisches Bauen erfüllt.“ Problematisch sei aber ein neues Brandschutz-Papier der Landesregierung, das schärfere Bestimmungen enthalte. Ein Sprecher des Innenministeriums weist dies zurück. Das Papier werde noch diskutiert und gelte – wenn es denn beschlossen wird – für künftige Tunnelbauten.

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