Leitartikel Ulrich Becker zum Verbrechen an Susanna F. Fall Susanna F.: Stoppt die Mörder!

Autorenfoto
Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Ulrich Becker 09.06.2018

Es ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Behörden, der das ganze Versagen im Mordfall an der 14-jährigen Susanna F. verdeutlicht: Der Iraker Ali Bashar, mutmaßlicher Vergewaltiger und Mörder des jungen Mädchens, hatte sich nach seiner Tat ausgerechnet in jenes Land geflüchtet, das er im Herbst 2015 verlassen hatte, um in Deutschland Schutz vor angeblicher Verfolgung zu suchen. Die ganze Familie konnte mit falschen Papieren fliehen. Erst die kurdischen Behörden setzten mit der Festnahme gestern einen Schlussstrich unter die peinliche Pannenserie ihrer deutschen Kollegen.

Der Mord von Mainz reiht sich ein in eine Abfolge, die für das Klima in unserem Land und die Bemühungen um eine Integration der Flüchtlinge verheerende Folgen hat. Natürlich will jeder, dass solche Verbrechen nicht geschehen. Die Wut darüber führt – verständlicherweise – bei vielen zu Verallgemeinerungen: Die sind alle so, schiebt sie ab und wir sind das Problem los. Tatsächlich wohnt dieser Argumentation sogar eine Logik inne: Wäre Ali Bashar früh genug abgeschoben worden, wäre dieses Verbrechen nie geschehen. Hätte man Hussein K. die Einreise verweigert, würde Maria L. noch leben. Doch dieser Ruf bleibt eine Stammtischparole und hilft nicht, unsere Probleme zu lösen.

Täter wie Ali Bashar oder Hussein K. töten nicht, weil sie Iraker, Afghanen oder Muslime sind. Sie töten, weil sie gestört sind, weil sie von sexuellen Phantasien besessen sind, weil sie – auch wenn es merkwürdig klingt – einfach böse sind. Das gilt für jeden, der ein solches Verbrechen verübt – ganz gleich, woher er kommt.

Tragisch ist, dass im Fall des Ali Bashar – wie auch bei Hussein K. – absehbar war, dass es zu einer solchen Tat kommen könnte. Aber obwohl Bashar bereits mehrfach aufgefallen war, ihm sogar die Vergewaltigung einer Elfjährigen vorgeworfen wurde, konnte er sich dennoch in Deutschland frei bewegen, sich der Abschiebung widersetzen und am Ende Susanna F. ermorden.

Es wird Zeit, dass wir die ideologischen Scheuklappen endlich ablegen und uns mit Fakten befassen. Dazu zählt, dass Verbrechen nicht relativierbar sind – weder durch Herkunft, Erlebnisse auf der Flucht oder Unterkunft in Heimen. Nichts davon erklärt oder entschuldigt gar solche Taten. Für diese Menschen kann Deutschland kein Zufluchtsort sein. Sie müssen schnellstmöglich abgeschoben werden – bevor aus Dieben und Schlägern Mörder werden. Das setzt effiziente Behörden voraus und den Willen, Recht durchzusetzen.

Solange wir aber in zehntausenden Fällen nicht einmal die Identität der Flüchtlinge kennen, solange Hunderttausende zum Teil Jahre auf eine Entscheidung in ihrem Asylverfahren warten,  wird das nicht gelingen. Ankerzentren, wie sie Innenminister Horst Seehofer vorgeschlagen hat, sind deshalb keine Anbiederung an rechte Parteien. Sie sind schlicht ein pragmatisches Mittel, um die Probleme zu lösen. Denn über das Gelingen der Integration in diesem Land entscheidet am Ende auch, ob wir Männer wie Ali Bashar stoppen, bevor sie zu Verbrechern werden.

leitartikel@swp.de

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel